Dienstag, 15. Oktober 2024

“The Shards” von Bret Easton Ellis

Inhalt:

Bret ist im Abschlussjahr an einer Elite-High School in Los Angeles. In seinem privilegierten Leben ist er ständig High oder auf der Suche nach sexueller Befriedigung. Er ist 17 als eine Reihe von Einbrüchen und Morden in der Umgebung startet. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen. Hat dieser etwas mit seinem neuen Mitschüler Robert zu tun?

 

Meinung:

Ellis beschreibt eine Jugend voller Extreme. Seine Beliebtheit an der Highschool beruht auf seinen Freundschaften zu den coolen Kids. Er ist selbst charismatisch, sieht sich aber eher als Einzelgänger, da er zum Beispiel auch eine andere sexuelle Vorliebe, als seine Klassenkameraden hat. Außerdem steht für ihn schon fest, dass er nach der Schule Schriftsteller werden möchte. Er wartet eigentlich nur darauf, seinen Abschluss hinter sich zu bekommen. Vor seinen Freunden spielt er laut eigener Aussage eine Rolle. Alles ist ein Spiel für ihn.

In dieser Zeit der sexuellen Unsicherheit und des exzessiven Drogenkonsums, lässt er sich schnell von der Idee gefangen nehmen, dass sein neuer Klassenkamerad etwas mit dem Verschwinden der ersten Opfer des Serienmörders zu tun hat.

Der Autor beschreibt ein intensives Bild der High Society Jugend dieser Zeit - Anfang der 1980er. Dafür verwendet er einen regelrechten Soundtrack dieses Jahrzehnts. Offensichtlich wurde Ellis auch von dieser Zeit und dieser Musik, stark geprägt. Durch die intensive und detaillierte Beschreibungen des Autors fühlt man sich als Leser wie in einer Zeitkapsel, 40 Jahren die Vergangenheit zurückversetzt.

Dennoch muss ich kritisieren, dass zumindest der Mittelteil des Romans von häufigen Wiederholungen und immer wieder gleichen Beschreibungen des „Alltags“ gekennzeichnet ist. Dieser ist zwar für mich ungewöhnlich aber die Repetition wirkt zwischendurch etwas langweilig und statisch. Die extremen Sexszenen (vorzugsweise gleichgeschlechtlicher Sex) gleichen sich einander. Man könnte sagen, dass das eigentlich den Charakter der Zeit unterstreicht, auf mich als Leser, in den 2020ern wirkt es eher langweilig.

Jedoch muss ich zugeben, dass ich schon das Gefühl habe, Sex zwischen Männern und auch deren gegenseitige Anziehung jetzt besser verstehen zu können. Auf jeden Fall finde ich, dass dieses Buch zur sexuellen Aufklärung und Gleichberechtigung beiträgt.

Ich könnte mir vorstellen, dass der Auto auch bezwecken wollte, dazu stellen, was für einen schlechten Stellenwert Schwule in dieser Zeit noch hatten.

Der Autor hat hier ein fiktives autobiografisches Werk herausgebracht. Ich wollte mir die Spannung nicht nehmen und habe erst am Schluss erfahren, ob die Situationen real macht oder nicht. Zumindest die Stimmung und Ängste des Autors entspringen der Wirklichkeit.

Das letzte Drittel war noch mal von enormer Spannung geprägt und hat ein gutes Bild auf die Psyche des Hauptcharakters geworfen.

Ellis ist besonders bekannt für seinen Roman „American Psycho“, den ich bisher noch nicht gelesen habe. Das werde ich sicherlich noch irgendwann nachholen, denn insgesamt hat mir dieses Buch hier sehr gefallen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine Kontroverse über diesen Roman gibt. Ich für meinen Teil kann ihn empfehlen, muss aber auch sagen, dass ich etwas mehr erwartet habe.


Zitat:

Ich bekam es in jener Woche ein wenig mit der Angst zu tun, obwohl im Bekanntwerden des Trwalers etwas mitschwang - eine Bestätigung des Bösen –, was alles vor sanfter Melodramatik vibrieren ließ, und in der sich einstellenden Atmosphäre – zugespitzt, leicht gefährlich, irgendwie sexualisiert – empfand ich beinahe eine Art freudige Erregung.

(S. 255, Kapitel 10)

 

ISBN 978-3-462-00482-3

Kiepenheuer&Witsch, 2023

740 Seiten

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