Inhalt:
Kommissar Barudi steht kurz vor der Pensionierung, als die Leiche eines Kardinals in der italienischen Botschaft in Damaskus abgeliefert wird. Es soll sein letzter Fall sein. Barudi bekommt einen italienischen Kollegen zu Seite gestellt, um herauszufinden wer den Kardinal ermordet hat. Wird er den Fall lösen können, oder wird es so ein Desaster wie sein allererster Fall, bei dem am Ende der syrische Geheimdienst das Sagen hatte...?
Meinung:
Zunächst geht in dem Roman alles sehr gemütlich und beschaulich vor. Der leichte Trott wirkt auf mich schon ein wenig einschläfernd.
Im Nachhinein muss ich vermuten, das Schami nur ganz langsam die vielen gesellschaftskritischen Hiebe vorbereiten wollte, die er gegen Ende Zunehmen verbalisiert.
Es geht um den Geheimdienst, Korruption, religiöser Fanatismus, Ungleichbehandlung von Mann und Frau, Aberglaube und Freundschaft.
Kein Thema wird offen gelassen. Eingebettet in einen ruhigen Krimi. Denn obwohl sich Barudi am Ende auch in Gefahr begibt, hab ich als Leser nie Angst um seine Sicherheit verspürt.
Was halte ich jetzt von dem Roman?
Mir fällt es schwer eine Meinung zu bilden, weil ich den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen nicht mal richtig einschätzen kann. Ich habe leider nur wenig Ahnung von der Politik des nahen Ostens. Auch mit der syrischen Geschichte kenne ich mich nicht aus. Beides bräuchte man um seine Geschichte richtig bewerten zu können.
Vom Gefühl her würde ich sagen, dass es sich bei dem Buch nicht um einen Schocker handelt, aber man dich vielleicht ein Gefühl dafür bekommt, welche Stimmung in der syrischen Gesellschaft vor dem aktuellen Krieg geherrscht haben könnte.
Wie immer gefällt mir Schamis Stil außerordentlich gut. Er ist ein wahrer Erzählkünstler.
Dennoch werde ich das Buch wohl nicht behalten. Ich mag seine Märchen lieber.
Bin ich einfach zu naiv?
Zitat:
Barudi wählte Mancinis Nummer. Belegt. Er trank sein Tässchen leer und schenkte sich ein zweites ein, Suleiman winkte ab. Er habe in letzter Zeit zu viel Kaffee getrunken, sagte er. Barudi versuchte es nochmal bei Macini. Belegt.
„Was geht dir durch den Kopf?“, fragte Barudi seinen Chef.
[...]
Barudi hörte aus den Worten seines Chefs den puren Opportunismus heraus. Er suchte vergeblich nach einer starken eigenen Meinung. Und das, nachdem die Kriminalpolizei eine kräftige Ohrfeige hatte einstecken müssen.
(Seite 224)
ISBN 978-3-446-26379-6
Hanser, 2019
432 Seiten
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