Mit einem Nachwort des Herausgebers: Rudolf Drux
Inhalt:
Nathanael beobachtet als Kind wie sein Vater alchemistische Versuche mit dem mysteriösen Coppelius unternimmt, den er lange für den gruseligen Sandmann gehalten hat.
Als Erwachsener steigert er sich immer mehr in seine Ängste und Fantasiewelt hinein und kann irgendwann Realität und Einbildung nicht mehr voneinander trennen.
Meinung:
Hierbei handelt es sich bekanntermaßen um eines der herausragendsten Werke der deutschen Romantik. Ich habe die Erzählung bereits in der Schulzeit gelesen, bin aber jetzt wieder sehr gerne und mit einem ganz anderen Blick in die Geschichte hinein getaucht.
Der Mystizismus und die Psychologie der Erzählung lassen mich am Ende erschauern. Das Werk ist auch heute noch spannend und regt zum nachdenken an.
Auch das Nachwort, welches noch mal stark auf Bedeutung und Strukturen des Textes eingeht, hat mich sehr überzeugt und mir alles noch mal viel näher gebracht.
Auf die ganzen Stilmittel möchte ich jetzt gar nicht eingehen, da diese bereits von gescheiteren Leuten zur Genüge dargelegt wurden. Eines kann ich aber sagen - die Bildsprache und das Hin- und Herspiel zwischen dem Hauptcharakter und den anderen Figuren finde ich herausragend.
Zu erleben, wie Nathanael nach gleichen Mustern immer mehr dem Wahnsinn verfällt und wie leichtgläubig er sich vom Mythos überzeugen lässt, stimmt mich wirklich nachdenklich. Clara stellt klar, dass das alles nur in Nathanaels Kopf passiert wovor er sich fürchtet, aber er hört ihr nicht richtig zu, bzw. Versteht sie nicht. Wahrscheinlich kann er es auch gar nicht.
Das dramatische Ende unterstreicht das tiefer Grauen der Geschichte.
Ich bin heute mehr denn je von der Erzählung überzeugt und lege es jedem wärmstens ans Herz, dieses kleine große Werk zu lesen.
Zitat:
Es ist das Fantom unseres eigenen Ichs, dessen innige Verwandtschaft und dessen tiefe Einwirkung auf unser Gemüt uns in die Hölle wirft, oder in den Himmel verzückt.
(Seite 14, Zeile 31-34, Clara in einem Brief an Nathanael)
ISBN 3-15-000230-3
Reclam, 1991 (c. 1816)
75 Seiten




