Inhalt:
Fünf Generationen und alle
Familienoberhäupter sterben immer früher. Fast kommt es mir so vor, als erleben
wir eine „Benjamin-Button-Geschichte“. Alle werden immer jünger. Aber je jünger
die Familienmitglieder werden, desto weniger erfolgreich sind sie im Leben.
Wobei die Frauen sehr konstant sind in der Geschichte. Es wird aber deutlich,
dass das Schicksal der Frauen als Nebensache betrachtet wird. Dennoch bleiben
sie am Ende als einzige übrig. Trotz allem Streben der Männer, überlebt keiner
von ihnen Abgesehen von Onkel Christian, der aber in einer Nervenheilanstalt
einsitzt.
Meinung:
Wenn ich bedenke, dass es sich um
eine erste große Familien Saga handelt, bin ich schon beeindruckt von dem
Roman. An die Sprache muss man sich erst mal gewöhnen und nicht alle Worte die
verwendet werden sind mir bekannt. Aber insgesamt ist das Buch sehr gut
geschrieben. Es gibt keine Verzettelungen in Unwichtigkeiten. Man bekommt immer
mehr das Gefühl, dass alles auf einander aufbaut und in Zusammenhang steht.
Jede getroffene Entscheidung hat eine Auswirkung. Wie im echten Leben.
Das Buch ist gar so realistisch
geschrieben, dass man denken kann, dass alles genau so passiert ist. Man kann
sich die Figuren gut vorstellen, aber eine echte Tiefe entsteht nicht. Die
Charaktere sind sehr typisch und verändern sich nicht. Auch die vom Leben
gebeutelte Toni wird am Ende immer noch so beschrieben, dass sie ihre
Jugendlichkeit bewahrt hat. Auch sie entwickelt sich nicht wesentlich, wobei
sie eine der Leitfiguren des Romans ist.
Ich muss zugeben, dass ich am
Anfang skeptisch war, ob mir das Buch gefallen wird. Und ich bin positiv
überrascht worden. Die Geschichte ist sehr unterhaltsam.
Dennoch hätte ich mir ein paar
mehr Umwelteinflüsse und Zeitgeschehen gewünscht. Es gibt zwar Szenen und
Ansichten die erläutert werden, aber wenn man bedenkt über wie viel Jahrzehnte
das Buch geht, kriegt man doch wenig von den äußeren Umständen mit.
Und weil die Familie keine
wirklichen Geldsorgen hat, können sie auch relativ problemlos leben (und
sterben). Hier gibt es zu wenig Konfliktpotential.
Alles in Allem gefällt mir das
Buch sehr gut. Am Ende war ich auch irgendwie traurig, als alles auseinander
gegangen ist und die Familie nicht fortbesteht. Aber der Titel ließ das ja
schon durchblicken, also keine große Überraschung.
Ein großes Werk für seine Zeit.
Zitat:
[..] Und vierzehn Tage waren
vorbei, und Hanno sagte sich und beteuerte es jedem, der es hören wollte, daß
jetzt noch eine Zeit komme, so lang wie Michaelisferien. Allein das war ein
trügerischer Trost, denn war die Höhe der Ferien erreicht, so ging es abwärts
und gegen Ende, schnell, so fürchterlich schnell, daß er sich an jede Stunde
hätte klammern mögen, um sie nicht vorüberzulassen, und jeden Seeluftatemzug
verlangsamen, um das Glück nicht achtlos zu vergeuden.
Aber die Zeit verging
unaufhaltsam [..]
(Seite 634)
ISBN 3-10-048243-3
Fischer, 1960/1974 (c.1901)
760 Seiten