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Freitag, 19. Juni 2026

„Schattenlicht“ von Yasmin Shakarami


Inhalt:

Lilly will lieber Billy genannt werden und verliebt sich Hals über Kopf in einen süßen, kanadischen Jungen. Nachdem er ihr einen überraschenden Heiratsantrag macht, entschließt sie sich kurzer Hand zu ihrer Tante zu ziehen, die zufälligerweise im gleichen kanadischen Ort wohnt, wie ihr Verlobter Jamie. 

Bald lernt sie auch den Nachbarsjunge, Tristan, kennen, der von den Kids nur „Zombie-Boy“ genannt wird. 

Aber was ist mit dem verschwundene Mädchen, Macy, passiert, die schon seit Monaten wie vom Boden verschluckt ist?


Meinung:

Dieses Buch ist so ganz anders, als die anderen beiden Romane der Autorin. 

Natürlich geht es immer noch stark um Emanzipation von jungen Frauen, dieses Thema finde ich dieses Mal aber leider nicht so gut umgesetzt. Als Leser bekommt man die kleinen Demütigungen mit, deswegen ist von Anfang an klar woher der Hase läuft. Deswegen wirkt es für mich etwas aufgesetzt und wenig überraschend, wie sich die Geschichte entwickelt. 


Man hätte dieses Buch auch ohne Probleme als Liebesroman einstufen können. Aber da sich der Thriller Part bereits von Beginn an abzeichnet, werte ich es jetzt mal vorrangig diesem Genre zu. Ein Thriller für die Jugend. 


Die Figuren kommen mir leider auch etwas zu kurz. Dieser Roman hätte noch viel mehr Tiefe bekommen, wenn man die Charaktere noch besser kennengelernt hätte. Hier wurde meiner Meinung nach zu viel gekürzt. Es ist aber auch schwierig auszubalancieren, wieviel Tiefgang die Nebencharaktere nun benötigen oder auch nicht. 


Trotz meiner etwas harschen Kritik kann ich doch sagen, dass mir das Buch insgesamt wieder gut gefallen hat. Dennoch mochte ich ihre ersten beiden Werke lieber. 


Zitat:

Ein trauriges Lächeln umspielt seine Lippen. »Wenn man erst einmal begriffen hat, wie schnell alles vorbei sein kann, will man keine Sekunde mehr vergeuden. Man will leben, in vollen Zügen. Aber ich stecke fest, b-bin gefangen in diesem Käfig der Nacht.« Mit einem Mal wirkt er aufgewühlt und auch seine Worte finden schwerer ihren Weg hinaus. »Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr richtig funktioniere. Dass mein Körper nicht mehr hierher gehört. Die Welt ist ein fremder Ort für mich geworden.« Das Silber in seinem Blick gerät in Bewegung.

»Mein Weg lag leuchtend vor mir, jetzt irre ich durch Finsternis. «

(Seite 164)


ISBN 978-3-570-16736-6

cbj, 2026

460 Seiten

Mittwoch, 10. Juni 2026

„Sturmflirren“ von Yasmin Shakarami


 Inhalt:

Bei Rea läuft gerade alles schief - sie hat ihrer Führerscheinprüfung vergeigt und auch mit ihrem Freund läufts nicht gut. Dann eröffnen ihre Eltern ihr auch noch, das sie nach Doha, der Hauptstadt Katars, ziehen. 

Dort angekommen kommt sie auch nicht mit ihrem Leben klar, bis sie den geheimnisvollen Shabah, das Phantom, kennenlernt…


Meinung:

Ich wusste erst nicht, was ich von dem Buch halten soll. Bis fast zur Hälfte hat sich die Geschichte für mich leider etwas schwach entwickelt. Aber dann gab’s einen großen Knall und plötzlich konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Die Geduld hat sich gelohnt. 


Die Autorin hat sich hier einem sehr schwierigen Thema angenommen - Queere Liebe in einem islamischen Land und der Freiheitskampf von unterdrückten Frauen.

Der Anfang lies mich vermuten, dass es eine sehr kitschige Geschichte geben wird, dies hat sich aber als kompliziert herausgestellt, was mich dann doch überrascht hat. 


Die Entwicklung war dann sehr spannen und auch gut geschrieben. Man merkt an einigen Stellen, dass die Autorin gern ins poetisch philosophische Abschweift, was ich aber als ganz gut eingesetzt empfunden habe. 


Trotzdem habe ich noch mehr Kritik auf Lager: wie häufig in solchen Geschichten mit schwierigen Themen, scheint Geld wieder keine Rolle zu spielen. Was wäre, wenn es keine reiche Freundin gäbe, oder Rea keine Diplomatentochter gewesen wäre, die praktisch immun war? Es ist zu einfach alles von dieser privilegierten Sicht zu erzählen. 

Das wurde für mich etwas gemildert durch die Ereignisse am Ende, aber dennoch war es für den Hauptcharakter wieder viel zu einfach. 


Insgesamt hat mir das Buch dann sehr gut gefallen. Schöne Einsichten in eine andere Kultur und ein Plädoyer für mehr Offenheit gegenüber Liebenden jeglichen Geschlechts. 


Auch empfehlenswert für die Jugend, da erfrischenderweise mal keine richtigen Sexszenen eingebaut wurden. Die Liebe kommt dennoch nicht zu kurz. 


Zitat:

»Wut ist gut, sie ist weiblich, ein Impuls, klug und voller Erneuerung. Wut ist der Beginn einer Metamor-phose, die uns reinigt, stärkt und zu Größerem verhilft.

Zorn hingegen bedeutet Erstarren. Ein totes Gefühl, das aushöhlt und vernichtet. Zorn ist männlich. Bleib wütend, Rea. Erlaube ihnen nicht, zu gewinnen.«

(Seite 105)


ISBN 978-3-570-16703-8

cbj, 2024

464 Seiten

Sonntag, 23. Juni 2024

„Tokioregen“ von Yasmin Shakarami

Inhalt:

Malu ist kurz vor ihrem 17ten Geburtstag als sie nach Tokio zieht um ein Jahr bei einer Gastfamilie zu wohnen, wo sie eine Gastschwester, Aya, und einen kleinen Gastbruder, Haru, hat. Nicht lange und sie verliebt sich in Ayas Schwarm, Kentaro. Aber das kann sie ihrer Schwester nicht antun. Außerdem verbirgt sich noch ein trauriges Geheimnis in ihrem Herzen.

 

Meinung:

Ich habe das Buch verschlungen.

Für mich, die ich auch schon in Tokio war, waren die Stadt Beschreibung besonders schön. Die einzelnen Stadtteile und Sehenswürdigkeiten haben mich an meine kleine Japanreise erinnert, bei der wir auch zwei Tage in Tokio waren. Es ist natürlich nicht vergleichbar mit der Dauer, die die Autorin in Tokio war, aber das ein oder andere habe ich doch wiedererkannt.

Der Roman ist äußerst romantisch, aber nicht zu schnulzig. Meines Erachtens die perfekte Mischung aus Romantik und Selbstfindung in der Teenagerphase. Natürlich wird die Liebesgeschichte recht utopisch dargestellt und richtet sich eher an Jugendliche und junge Erwachsene.

Der Stil ist äußerst gefühlvoll und lässt sich sehr gut lesen. Das Buch lässt sich schnell lesen, ohne langweilig zu sein.

Ich bin auf der Frankfurter Buchmesse 2023 auf diesen Roman aufmerksam geworden. Hier habe ich die Autorin in einem Interview gesehen, dass mich direkt von ihr begeistert hat.

Weil ich selbst schon in Tokio war, fand ich die Geschichte für mich äußerst interessant. Ich denke, dass aber auch jeder Andere hier etwas über die japanische Kultur lernen kann, die der deutschen Kultur in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich ist

Ein rundherum gelungenes Buch. Lehrreicher und weiser als erwartet. Eine absolute Leseempfehlung meinerseits.


Zitat:

„Keine Sorge, Dojikko, Nurikabe kann man auch bekämpfen.“

„Wie?“

„In dem man sie kitzelt. Die große, mächtige Wand verschwindet, wenn man sie zum Lachen bringt.“

„So einfach geht das?“

„Ja“, antwortet Kentaro. „Es sind unsere Gedanken, die uns vorgaukeln, dass wir für immer mit dem Schmerz leben müssen. Irgendwann gewöhnen wir uns an die Last unserer Gefühle und vergessen, dass wir heilen können. Aber Nurikabe ist kein Teil von uns. Die schwarze Wand ist ein Zustand und Zustände sind stets überwindbar.“

„Dann ist Lachen also die geheime Zauberwaffe?“

Kentaro nickt. „Lachen und Liebe.“

 

ISBN 978-3-570-16659-8

cbj, 2023

400 Seiten