Freitag, 24. Juli 2026

„Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit“ von Ken Follett

Inhalt:

Die vier Bewohner der großen Ebene, Seft, Joia, Pia und Bez erleben eine anstrengende Zeit. Joia und Seft wollen das Monument aus Stein errichten und die anderen wollen nur Leben. Da die Menschen aber in äußerst unterschiedlichen Gruppen leben, ist es schwierig überhaupt über die Runden zu kommen. Besonders in eine jahrelangen Hitzeperiode - vor 2500 Jahren. 


Meinung:

Interessant ist der Roman auf jeden Fall. Die Idee, einen Eoman rund um das bekannteste englische Monument zu konstruieren, finde ich grandios. Aber genau so wirkt es auch - äußerst konstruiert. 

Dabei schneidet eine Gruppe besonders schlecht ab, was leider auch sehr einseitig wirkt. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass diese Gemeinschaften so wie beschrieben gleichzeitig „nebeneinander“ gelebt haben. 


Überhaupt muss man vielleicht am Wahrheitsgehalt der Ereignisse zweifeln. Wobei ich schon davon ausgehe, dass Follett sich einschlägig informiert hat und alles doch irgendwie Hand und Fuß hat. 


Die Hauptfiguren sind gut beschrieben, so dass man auch gut mitfiebern kann. für mich hat aber ausgerechnet der erste Charakter, Seft, etwas zu wenig Tiefe bekommen. Er spielt zwar auch im späteren Roman eine wichtige Rolle, man erfährt aber nicht mehr viel über seine Gedanken. Schade. 


Der Autor hat die Unterdrückung von Frauen innerhalb einer eingeschworener Gemeinschaft stark thematisiert. Das finde ich grundsätzlich löblich, war mir hier aber teilweise zu viel. Können die Bauersfrauen wirklich solche Duckmäuschen sein, wenn sie doch andere Beispiele fürFeminismus direkt vor ihren Augen haben…?

Hier könnte man eindeutig in einen größeren Diskurs kommen, aber es reicht vielleicht zu sagen, dass die Stellung der Frau in den verschiedenen Gemeinschaften extrem beleuchtet wurde.  


Insgesamt hat mir das Buch ganz gut gefallen, es war keineswegs langweilig. Ich fand es aber auch nicht so herausragend wie andere Werke von Follett, die ich in der Vergangenheit gelesen habe. Wobei ich nur die ältere Werke von ihm kenne, daher muss ich zumindest für mich behaupten, dass Stonehenge tatsächlich bisher das schlechteste Buch ist, dass ich von ihm gelesen habe. Fast alle Männer werden negativ dargestellt und das hat mich am Ende richtig genervt. 


Das Thema rund um das Monument und die Zeit finde ich dennoch super, daher bereue ich überhaupt nicht das Buch gelesen zu haben. 

Jetzt habe ich außerdem große Lust bekommen, mehr über Stonehenge zu erfahren. 


Zitat:

»Mit diesen Scheiben gehen dir die Zahlen nie aus. Jede Zahl hat einen Namen, und diese Namen sind das Erste, was eine Priesterschülerin lernen muss.«

Joia war vollkommen fasziniert. »So also könnt ihr all die Tage in einem Jahr zählen!«

»Ja. Du begreifst schnell. « Soo schien das Gespräch zu genießen, und Joia wagte zu hoffen, dass die Hohepriesterin die Strafe vergessen hatte.

Soo sammelte die schlichten Scheiben ein und bildete mit den gekerbten eine neue Linie. Joia zählte auch sie wieder vom linken bis zum rechten Daumen. Danach ersetzte Soo die Scheiben mit einer, auf die ein Kreuz geritzt war. »Diese hier repräsentiert alle, die ich gerade weggenommen habe.«

»Also ...« Joia nahm alles in sich auf. »Also kann man auf diese Art für immer weiterzählen.«

»Genau.«

Das verschlug Joia die Sprache. Plötzlich sah sie die Welt mit neuen Augen. Das hier waren die Geheimnisse der Priesterinnen, und Soo verriet sie ihr!

In Gedanken war Joia schon einen Schritt weiter. »Wenn ihr tanzt und singt, dann zählt ihr also die Tage und Wochen.«

(Kapitel 5, Seite 101)


ISBN 978-3-7577-0123-9

Bastei Lübbe, 2025

670 Seiten

Sonntag, 5. Juli 2026

„Achtsam morden“ von Karsten Dusse


Inhalt:

Björn ist ein gestresster Anwalt, der eigentlich nur einen Klienten betreut - den gewalttätigen Drogenboss, Dragan.

Als sich Björn dazu entscheidet, die Tipp seines Achtsamkeitscoachs zu beherzigen, ändert sich alles für ihn, aber eher unkonventionell. So findet er dann auch endlich mehr Zeit für seine Tochter Emily. 


Meinung:

Es handelt sich hierbei um eine sehr amüsante Lektüre für zwischendurch. Von einem Thriller kann man hier nicht sprechen - es lässt sich eher als komödianter Krimi bezeichnen.


Der Autor schafft es auf amüsante Weise Weisheiten beziehungsweise Achtsamkeitsregeln in diese Kriminalgeschichte zu verpacken. Dabei wird immer eine Regel je Kapitel beleuchtet. So erscheinen alle Handlungen des Protagonisten auch äußerst logisch und nachvollziehbar. Ich kann mir als Leser gut vorstellen, selbst so zu reagieren, obwohl der Hauptcharakter in Wahrheit immer grausamer wird. Aber genau diese Kombination aus Brutalität und Achtsamkeit stellt den Witz des Romans dar.


Das Buch hat mir sehr gut gefallen, obwohl ich eigentlich keine Krimis mag. Ich kann es bedenkenlos weiterempfehlen, als Lektüre dir einen gut unterhält und auch zum schmunzeln bringt. Vielleicht werde ich mir den ein oder anderen Achtsamkeit Tipp des Romans mal in mein eigenes Notizbuch schreiben :-)


Zitat:

»Glück wird nicht verliehen. Die Quelle des Glücks ist in uns selbst. Deswegen müssen wir uns gar nicht anstrengen, Glück außerhalb von uns zu suchen. Wir können es nur in uns selber finden.«

(Seite 111)


ISBN 978-3-453-43968-9

Heyne, 2019

418 Seiten