Inhalt:
Bei Rea läuft gerade alles schief - sie hat ihrer Führerscheinprüfung vergeigt und auch mit ihrem Freund läufts nicht gut. Dann eröffnen ihre Eltern ihr auch noch, das sie nach Doha, der Hauptstadt Katars, ziehen.
Dort angekommen kommt sie auch nicht mit ihrem Leben klar, bis sie den geheimnisvollen Shabah, das Phantom, kennenlernt…
Meinung:
Ich wusste erst nicht, was ich von dem Buch halten soll. Bis fast zur Hälfte hat sich die Geschichte für mich leider etwas schwach entwickelt. Aber dann gab’s einen großen Knall und plötzlich konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Die Geduld hat sich gelohnt.
Die Autorin hat sich hier einem sehr schwierigen Thema angenommen - Queere Liebe in einem islamischen Land und der Freiheitskampf von unterdrückten Frauen.
Der Anfang lies mich vermuten, dass es eine sehr kitschige Geschichte geben wird, dies hat sich aber als kompliziert herausgestellt, was mich dann doch überrascht hat.
Die Entwicklung war dann sehr spannen und auch gut geschrieben. Man merkt an einigen Stellen, dass die Autorin gern ins poetisch philosophische Abschweift, was ich aber als ganz gut eingesetzt empfunden habe.
Trotzdem habe ich noch mehr Kritik auf Lager: wie häufig in solchen Geschichten mit schwierigen Themen, scheint Geld wieder keine Rolle zu spielen. Was wäre, wenn es keine reiche Freundin gäbe, oder Rea keine Diplomatentochter gewesen wäre, die praktisch immun war? Es ist zu einfach alles von dieser privilegierten Sicht zu erzählen.
Das wurde für mich etwas gemildert durch die Ereignisse am Ende, aber dennoch war es für den Hauptcharakter wieder viel zu einfach.
Insgesamt hat mir das Buch dann sehr gut gefallen. Schöne Einsichten in eine andere Kultur und ein Plädoyer für mehr Offenheit gegenüber Liebenden jeglichen Geschlechts.
Auch empfehlenswert für die Jugend, da erfrischenderweise mal keine richtigen Sexszenen eingebaut wurden. Die Liebe kommt dennoch nicht zu kurz.
Zitat:
»Wut ist gut, sie ist weiblich, ein Impuls, klug und voller Erneuerung. Wut ist der Beginn einer Metamor-phose, die uns reinigt, stärkt und zu Größerem verhilft.
Zorn hingegen bedeutet Erstarren. Ein totes Gefühl, das aushöhlt und vernichtet. Zorn ist männlich. Bleib wütend, Rea. Erlaube ihnen nicht, zu gewinnen.«
(Seite 105)
ISBN 978-3-570-16703-8
cbj, 2024
464 Seiten
