Donnerstag, 27. Juni 2019

„Wo drei Flüsse sich kreuzen“ von Hannah Kent

Bild-Quelle: Amazon.de

Inhalt:

Ein abgelegenes, irisches Tal, 1825/1826. Nóras Leben ist aus den Fugen geraten. Vor wenigen Wochen ist ihr Schwiegersohn gekommen, hat verkündet dass ihre Tochter gestorben ist und lässt den vierjährigen Micheál bei Nóra und ihrem Mann zurück. Jetzt ist ihr Mann plötzlich tot umgefallen und andere. Das ganze Dorf scheint verflucht zu sein. Liegt es am kleinen Micheál? Der Junge war früher gesund, aber jetzt kann er nicht mehr laufen und sprechen. Er ist verkrüppelt und heult nur rum. Nóra holt sich die Magd Mary an den Hof, weil sie allein nicht mehr klar kommt. Aber zunehmend ist sie davon überzeugt, dass das nicht ihr Enkel ist, sondern ein Feenwesen, das sich bei ihr eingenistet hat. Kann die Kräuterfrau, Nance, ihr noch helfen? Sie hat die Gabe.

 

Meinung:

Zunächst habe ich gedacht es handelt sich um einen historischen Roman mit Fantasyinhalten. Bis ich begriff, dass die Feen Geschichten alle Aberglauben sind und damit die Aussage des Buches sich komplett ändert.

Am Ende ist es erschreckend wie die Menschen handeln, wenn sie durch Aberglaube und Unwissen gelenkt werden.

Die Geschichte ist äußerst spannend geschrieben und kommt einem wie ein Thriller vor.

Die alten Bräuche und das Leben der Zeit wirken authentisch. Und scheinbar hat die Autorin auch viel Zeit in die Recherche investiert, wenn man ihren Beschreibungen und Dankesbekundungen am Ende trauen darf. Sie schreibt, dass sie inspiriert wurde von einem echten Fall aus dieser Zeit. Ich finde man merkt, dass sich alles so zugetragen haben könnte. Das macht alles noch intensiver und stimmt mich nachdenklich.

Wenn ich bisher an Feen der irischen Sagenwelt, an Kräuterfrauen und alte Bräche gedacht habe, so muss ich zugeben, dass mein Blick darauf romantisch verklärt war. Hier wird eine ganz andere Seite präsentiert. Ein Realismus über die schrecklichen Auswirkungen die Aberglauben haben kann.

Trotzdem ist nicht alles „böse“ in dem Buch. Im Dorf gibt es sowohl Hetzer, als auch gute Menschen, die einander helfen und beistehen. Das wirkt äußerst beruhigend. Ohne diese Figuren hätte ich den Schluss wohl als zu krass empfunden. So wirkt das Buch sehr ausgeglichen und hat mich wirklich überzeugt.

Der Roman hat es geschafft mich zu überraschen. Das kam schon lange nicht mehr vor und freut mich riesig.

 

ISBN 978-3-4263-0660-4

Droemer, 2019

432 Seiten

Montag, 17. Juni 2019

„Der Sommer der schwarzen Schafe“ von Joanna Cannon

Bild-Quelle: amazon.de

Inhalt:

Mrs. Creasy ist plötzlich spurlos verschwunden - sie hat nicht mal ihre Schuhe mitgenommen. Gracie (10) und Ihr Freundin Tilly versuchen heraus zu finden, ob jemand in ihrer Straße was weiß und ob irgendwo auch Gott zu finden ist.

Der Sommer brennt heiß und nach und nach kommen viele Geheimnisse ans Licht.

 

Meinung:

In dem Roman geht es um Vorurteile und Engstirnigkeit. Die Leute, die am besten in die Gesellschaft integriert sind, haben am Ende am meisten verbrochen.

Die unschuldigen Kinder wirken bei ihrer Suche nach Gott als starker Gegenpol zu den üblen Geschichten der Nachbarn. Das ist ganz gut gemacht. Für mich wirkt die Suche nach Gott jedoch ein bisschen konstruiert. Ich bin mir nicht sicher wie realistisch es ist, dass zwei zehnjährige Mädchen das so ernst nehmen würden...

Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind auch wiederkehrende Themen in dem Buch. Aber auch wenn der Roman zum größten Teil in den siebziger Jahren spielt, könnte man denken die Handlung soll gerade Aktualität haben. Für mich passt es aber nicht mehr zur heutigen Zeit und Denkweise. Für so engstirnig halte ich auch heute nicht die ab gelegenste Kleinstadt Straße.

Konsequenzen für die die Verbrechen könnte es am Ende geben, das bleibt aber offen. Also gibt es für mich nicht mal einen befriedigenden Abschluss. Überhaupt wieder Entwicklung schon bei der Hälfte sehr gut vorhersehbar. Für mich gab es am Ende keine Überraschung mehr. Sehr schade.

Ich fand den Stil sehr gut. Erinnert mich an einen frühen Stephen King - Kleinstädter aus ihrer eigenen Perspektive in wechselnder Erzählweise. Ich hätte noch ewig weiterlesen können, obwohl ich die Handlung wenig überraschend und interessant finde.

 

ISBN 978-3-7341-0597-5

Blanvalet, 2019

416 Seiten