Mittwoch, 2. September 2020

„Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und Schlange“ von Suzanne Collins

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Inhalt:

Die Vorgeschichte zu „Die Tribute von Panem“ gibt uns Einblick in das Leben und die Erfahrungen von zukünftigen Präsidenten Coriolanus Snow. Er ist in der Abschlussklasse, als er zum Hungerspiel-Paten für das Mädchen aus Distrikt 12 ausgewählt wird. Er fasst den Entschluss das zu nutzen, will dass sie gewinnt. Nur so kann er seine Position im Kapitol verbessern.

 

Meinung:

Das Buch ist so ganz anders als andere Bücher. Wir wissen genau, dass wir den Bösewicht vor uns haben. Aber am Anfang ist er das noch gar nicht.

Wir erleben eine regelrechte Transformation, die so schleichend einvernimmt, dass ich am Ende eine Gänsehaut habe. Jedes Handeln von Coriolanus ist nachvollziehbar. Und das ist das erschreckende daran.

Dadurch ist das Buch genau wie seine Überlegungen zu den Hungerspielen. Wie würde ich handeln, frage ich mich am Ende. Ich bin mir nicht sicher.

Suzanne Collins hat hier eine Welt geschaffen, die uns so fremd und gleichzeitig erschreckend nah ist.

Ich bezweifle zwar, dass dieses politische Konstrukt sich hätte festigen können, aber als Prämisse lasse ich es gelten.

Die Frage in der es in dem Buch geht ist, wie grausam ist der Mensch wenn es ums nackte Überleben geht. Obwohl es bei Snow manchmal nicht wirklich ums unerwünschte, sondern um sein Streben nach Macht geht. Was das Ganze noch schlimmer macht.

Haben wir alle eine Wahl? Ich bleibe bei - ja. Aber hoffentlich muss ich das niemals austesten...

 

ISBN 978-3-789-12002-2

Oetinger, 2020

608 Seiten

Mittwoch, 12. August 2020

„Früchte des Zorns“ von John Steinbeck

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Inhalt:

Mittlerer Westen, 1930er Jahre, USA:

Tom kommt gerade aus dem Gefängnis raus, als er seine Familie gerade noch auf der elterlichen Farm antrifft. Sie müssen alle das Land verlassen - nach der letzten Missernte können sie die Pacht nicht mehr zahlen. Handzettel aus Kalifornien locken mit Aufrufen, dass dort dringend Erntehelfer gesucht werden. Sie kaufen einen billigen Truck und ziehen hoffnungsvoll los, so wie Millionen Andere auch...

 

Meinung:

Das Buch hat mich tief beeindruckt. An mehreren Stellen hab ich den Atem angehalten und gehofft, dass alles ein gutes Ende nimmt für die Familie. Steinbeck schafft es seine Leser mit fiebern und mitleiden zu lassen.

Der Roman ist äußerst realistisch und ergreifend. Man regt sich beim Lesen über die sozialen Missstände der Zeit und alle Ungerechtigkeiten die den Menschen passieren auf.

Auf geschickte Weise werden immer wieder Kapitel zwischengefunkt, die erzählen wie es den anderen Menschen ergeht. Dann wird wieder zu den Hauptcharakteren übergegangen mit dem Resultat, dass man natürlich schon ahnt, was ihnen schlimmes bevorsteht.

Einmal war ich so schockiert von der Grausamkeit einer kurzen Szene, dass ich davon Richtiges Herzklopfen bekommen hab. Vermutlich hat mich das mehr berührt, weil ich selbst Kinder habe und mich in die ganzen Ängste rund um die eigene Familie jetzt auch starker rein fühlen kann. Aber es gibt Stellen, die Glaube ich niemanden kalt lassen könnten.

Und trotzdem ist der Roman sehr hoffnungsvoll. Meiner Meinung nach wird auf gewisse Weise ein Vertrauen ins Gute der Menschheit gezeigt, das erstaunlich liebevoll umgesetzt ist. Zumindest Vertrauen in seine nächsten Mitmenschen.

Es gibt noch viel mehr über das Buch zu sagen, aber ich befürchte, ich würde immer pathetischer werden.

Ich finde es grandios.

Ein echtes Muss!

 

Volk und Welt Verlag, 1980 (c.1939)

584 Seiten

Donnerstag, 14. Mai 2020

„Sherlock Holmes‘ Buch der Fälle (Erzählungen V)“ von Sir Arthur Conan Doyle


Letzter Band der Sherlock-Holmes-Reihe.

Inhalt:

Weitere bis dahin unveröffentlichte Fälle des Meisterdetektivs. Laut Doyles eigenen Angaben in der Einleitung, wollte er die Reihe bereits früher absetzen (s. Fall Reichenbachfälle). Jedoch wollte das Publikum Holmes Ende einfach nicht akzeptieren und „schrie“ nach mehr.

Mit diesem Band will er sich nun aber endgültig von dieser Figur verabschieden.

Wobei ich doch dankbar bin, dass er Holmes nicht ein zweites Mal sterben lässt. Es ist lediglich mehrfach von seinem Ruhestand die Sprache.

 

Meinung:

Die Geschichten sind meiner Meinung nach um einiges düsterer und gruseliger als ihre Vorgänger. Was für mich den Lesespaß aber keinerlei mindert.

Ich finde dieses Mal kann man besonders gut miträtseln. Alles ist gut strukturiert und spannend bis zur letzten Seite.

Da es sich um kurze Erzählungen handelt, fällt einem das flotte durchlesen umso leichter.

Für mich ein gelungener Abschluss für eine außergewöhnliche Reihe. Ich bin und bleibe begeistert von Sherlock Holmes.

 

Zitat:

Mit einem einzigen Sprung war Holmes aus dem Sessel der Attrappe geschnellt und hatte das kostbare Juwel an sich gerissen. Nun hielt er es in einer Hand, während er mit der anderen einen Revolver auf den Kopf des Grafen richtete. In höchster Verblüffung taumelten die beiden Schurken zurück.

Noch ehe sie sich wieder gefangen hatten, hatte Holmes die elektrische Klingel betätigt.

»Keine Gewalt, Gentlemen - keine Gewalt, wenn ich bitten darf! Denken Sie an das Mobiliar! Es dürfte Ihnen doch völlig klar sein, daß Ihre Situation aussichtslos ist. Die Polizei wartet bereits unten.«

(Seite 114, Der Mazarin-Stein)

 

Weltbild, 2005 (Originalausgabe: »The Case-Book of Sherlock Holmes«, London und New York 1927)

420 Seiten

Mittwoch, 8. April 2020

„Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann

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Inhalt:

Die Lebensgeschichte von Humboldt und Gauß, in Romanform. Humboldt reist um die Welt und misst was das Zeug hält. Gauß wäre gern Mathematiker geworden, damit lässt sich aber nicht genug Geld verdienen, also wird er Beamter und Astrologe.

 

Meinung:

Beide Charaktere werden recht zynisch dargestellt. Für mich ist es fraglich, wie realitätsnah der Roman ist.

Die Geschichten sind schon interessant. Aber am Ende hat mich eigentlich nur noch interessiert, ob die Beiden denn nun glücklich sind/waren und ob alles auf eine große Lebensweisheit hinausläuft.

Eine große Weisheit kann ich aus dem Buch nicht herauslesen. Vielleicht, dass man öfter einfach mal machen sollte und natürlich: den Augenblick genießen.

Wobei oft alles so dargestellt wird, als ob es nichts Besonderes ist. Irgendwie schade, neige ich doch dazu, alles irgendwie interessant und schön zu finden.

Also muss ich leider sagen, dass mir das Buch insgesamt zu pessimistisch und negativ ist.

So richtig lernen kann man auch nichts von dem Roman.

Und weil am Schluss die beiden Leben fast zu einem werden, fand ich es manchmal schwer, die Beiden auseinander zu halten. Das war bestimmt so gewollt. Kam mir aber etwas zu künstlich vor.

Jetzt habe ich eher Lust mal die „richtigen“ Biographien der Beiden nachzulesen. Mich interessieren jetzt mehr die Daten und Fakten. Die konnte der Roman nicht wirklich liefern. Fehlt mir ein bisschen darin.

 

ISBN 978-3-498-03528-0

Rowohlt, 2011 (c.2005)

300 Seiten

Montag, 23. März 2020

„Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón

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Inhalt:

Daniel ist zehn Jahre alt, als sein Vater ihn zum Friedhof der vergessenen Bücher mitnimmt. Er findet ein Buch von einem rätselhaften Autor, von dem fast alle Bücher verschwunden sind. Erst Jahre später wird er die Geheimnisse um Julian Carax ergründet haben und selbst zur Ruhe kommen.

 

Meinung:

Die erste Hälfte des Romans plätschert dahin wie eine normale, angenehme Erzählung.

Stil ist fleißig und die Charaktere sehr sauber, aber auch ein bisschen langweilig.

In der zweiten Hälfte wird es viel interessanter und am Ende sogar ein bisschen spannend. Wobei ich sagen muss, dass es schon absehbar war, was am Ende geschehen wird.

Besonders gut gefallen mir die vielen kleinen Weisheiten die im Buch untergebracht sind - eine schlaue Lebensphilosophie reiht sich an die andere. Ganz nett.

Zum Schluss wird ein guter Bogen zum Anfang gespannt. Ich habe sogar das Gefühl, hier wird der ewige Kreislauf des Lebens beschrieben. Es wirkt irgendwie groß, obwohl sich alles nur in einer „kleinen Welt“ abspielt.

Das Ende hat auch irgendwie echte Gefühle in mir geweckt und ich musste erstaunt feststellen, dass ich eine kleine Träne verdrückt habe. Das gefällt mir gut.

Trotzdem muss ich insgesamt sagen, dass es mir viel zu lang gedauert hat, bis es endlich interessant wurde. Eine Zeitangabe habe ich sogar überlegt abzubrechen (aber das passt einfach nicht zu mir und das mache ich wirklich nur, wenn ich grottenschlecht finde - also nie).

Alles in allem hat es mir dann doch gut gefallen.

Auf jeden Fall macht es Lust auf eine Reise nach Barcelona :-)

 

ISBN 978-3-518-45800-6

Suhrkamp, 2007 (c.2001)

560 Seiten

Samstag, 22. Februar 2020

„Drei Frauen“ von Robert Musil

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Inhalt:

Eine Erzählung, oder besser gesagt drei Erzählungen, über drei Geliebte, die eher Gespielinnen von Männern sind und keine Chance auf persönliches Glück haben durch diese Männer.

 

Meinung:

Die Geschichten sind äußerst stimmungsvoll geschrieben. Die Erzählungen leben von einer starken Bildmalerei mit einer Sprache, die authentisch sein soll. Denn nicht nur die Charaktere reden in Dialekten, sondern auch der Erzähler verwendet entsprechende Stile. So wirkt es oft so, als man sich im Kopf der Handelnden befindet und ihre Gedanken und Gedankensprünge miterlebt. Das ist schon eine schriftstellerische Meisterleistung.

Dennoch muss man sich erst mal an diesen Stil gewöhnen. Wobei mit aber die überraschende Grausamkeit der ersten Geschichte dann doch so in den Bann gezogen hat, dass ich weiterlesen musste (vorher war ich mir noch nicht sicher, ob ich das Buch zünde lesen will...).

Die Thematik der drei Geschichten ähnelt sich stark. Die Frauen leiden alle unter „ihren“ Männern. Wobei ich kritisieren muss, dass sie es alle scheinbar als selbstverständlich hinnehmen. Das scheint mir auch für diese frühere deutsche Zeit nicht ganz realistisch.

Auf gewisse Weise werden die Frauen auch als recht einfältig dargestellt. Das stört mein stark emanzipiertes Ich doch sehr.

Sex und Körperlichkeit ist ein hervorstechendes Thema hier. Stellt sich mir die Frage, ob der Autor (oder Dichter, wie er sich selbst sieht) alles auf die grundlegendsten menschlichen Triebe reduzieren wollte? Wohl eher kaum. Denn alles wirkt sehr kühl, manchmal auch etwas distanziert. Dies scheint ein Widerspruch meiner Aussagen zu sein, da ich das Buch eigentlich als emotional beschrieben habe. Vielleicht kann man das Werk als rationale emotionale Erzählung bezeichnen? (These ohne Belege meinerseits).

Insgesamt finde ich die Erzählungen gelungen, aber für die heutige Zeit nicht mehr passend. Aber gut geschrieben, also überzeugend.

 

ISBN 978-3-866-47894-7

Anaconda, 2013 (c.1924)

160 Seiten

Mittwoch, 19. Februar 2020

„Dancing Jax (3) – Finale“ von Robin Jarvis

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Band 3 von 3

Inhalt:

Die überlebenden Jugendlichen sind bei den Nordkoreanern untergekommen. Alles scheint hoffnungslos - die ganze Welt ist der Dancing Jax Wahnvorstellung erlegen. Der Ismus plant den großen Showdown zu Weihnachten. Doch was genau bedeutet das Spiel „Die Bestie geht um“...?

 

Meinung:

Ein gelungenes Finale für die Trilogie! Ich bin erstaunt, dass ich doch mehr als einmal überrascht werden konnte - die Handlung ist interessant und spannend bis zur letzten Seite.

Leider habe ich einen großen Kritikpunkt, wenn ich die Trilogie als Ganzes betrachte: den zweiten Band hätte man meiner Meinung nach fast weglassen können.

Ich verstehe zwar, dass er wichtig war um eine starke Beziehung zu den Charakteren aufzubauen, aber die Handlung wurde hier nur wenig voran getrieben.

Insgesamt passt aber jedes Buch zu der Geschichte und der Stimmung die aufgebaut wird.

Die drei Bücher sind eindeutige keine Jugendliteratur. Teilweise sind sie äußerst grausam und daher auch nichts für schwache Nerven. Das mag ich sehr!

Die Charaktere werden gut ausgearbeitet und der Stil ist durchgehend solide.

Natürlich kann man sagen, dass sich der Autor an allerlei Sagen, Märchenbund religiösen Inhalten bedient hat, aber die Art und Weise wie er alles miteinander verwoben hat ist mir neu und interessant.

Einzig das Ende kam mir zu kurz und war zu vorhersehbar (für mich eins der häufigsten Probleme bei Fantasyromanen). Schade auch, dass mir das letzte Kapitel die Stimmung dann doch irgendwie vermiest hat. Aber naja. Eigentlich hat es ganz gut zu der Geschichte gepasst. Passt mir nur nicht. Aber ich will hier jetzt auch nicht zu viel verraten.

Insgesamt gefallen mir die drei Bücher sehr gut. Ich werde sie wohl meinem Neffen (15 Jahre alt) bei unserem nächsten Treffen geben. Genau das Richtige für einen viel belesenen Jugendlichen, der schon so manche düstere Geschichte intus hat...

 

ISBN 978-3-839-00136-3

script5, 2014

544 Seiten