Freitag, 19. November 2021

„Disney Villains (8) – Das Herz so kalt“ von Serena Valentino

Inhalt:

Lady Tremaine ist eine Seite im mittleren Alter und lebt mit ihren beiden kleinen Töchtern gut betucht im alten London. Als sie eine Freundin besucht verliebt sie sich in den geheimnisvollen Sir Richard, ebenfalls Witwer und Vater einer Tochter (Cinderella), aus den Vielen Königreichen. Hals über Kopf entscheidet sie sich für die Hochzeit mit ihm und ihren Umzug in eine aufregende Zukunft. Doch alles kommt anders als erhofft. Wer muss am Ende darunter leiden?

 

Meinung:

Leider muss ich sagen, dass ich das Buch als das Schlechteste der ganzen Reihe empfinde.

Der Beginn gefällt mir eigentlich recht gut, obwohl man sich natürlich fragt, warum sie so schnell alles aufgibt und ins Ungewisse aufbricht. Naja. Künstlerische Freiheit. Aber man hätte man sich eine viel clevere Nebenstory ausdenken können, da der Stoff viel hergibt und alle Möglichkeiten offen sind.

Darüber kann ich aber hinwegsehen l, weil ich mich selbst auf die Geschichte in den Vielen Königreichen gefreut habe.

Schade, dass die Geschichte dann noch oberflächlicher wird. Keine Besserung in Sicht.

Ich habe dann auf eine tolles, spannendes Ende gehofft und muss aber sagen, dass es sich für mich nicht so entwickelt hat. Meiner Meinung nach hat es sich die Autorin hier doch etwas zu einfach gemacht.

Eigentlich ist es nicht mal abgeschlossen, was mich noch mehr frustriert…

Sehr schade. Und weil ich ein Fan der Reihe bin, werde ich auch den nächsten Band kaufen, aber ich hoffe sehr auf Besserung.

 

Zitat:

Sie machte eine Bewegung in seine Richtung, aber er wich zurück.

„Mylady, bitte!“, sagte er steif. „Nicht vor dem Großherzog.“

Lady Tremaine spürte beschämt, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg. Sie fragte sich, wie viele Demütigungen sie an diesem Tag wohl noch erdulden musste. Nichts war so, wie sie es sich vorgestellt hatte.

(Seite 152)

 

ISBN 978-3-551-28046-6

Carlsen, 2021

300 Seiten

Sonntag, 19. September 2021

„Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens

Inhalt:

Kya ist sechs Jahre alt, als ihre Mutter und nach und nach alle Geschwister die kleine Hütte in der Marsch und den gewalttätigen Vater verlassen. Keiner nimmt Kya mit, die immer mehr vereinsamt.

17 Jahre später wird der Leichnam von einem verehrten jungen Mann am alten Leichtturm gefunden. War es ein Unfall oder versucht jemand einen Mord zu vertuschen?

 

Meinung:

Die Verbindung zur Natur wird in diesem Roman eindrucksvoll erzählt. Kya steh für alles Wilde und Echte in dieser besonderen Szenerie.

Die Autorin versteht es ausnahmslos gut den Leser ganz auf die Einsamkeit der Protagonistin einzustellen und ihre charakterliche Entwicklung darzustellen. Am Ende fühlt man ihre Verbundenheit zur Natur und man wünscht Tisch selbst da zu sein „wo die Flusskrebse singen“.

Themen des Romans sind Naturverbundenheit, Liebe und Vorurteile, aber auch Hingabe, Vertrauen und Psychologie.

Auch wenn die Handlung nach außen einfach gestrickt wirkt, erzeugt die Autorin eine solche Atmosphäre, dass es mir vorkommt Kya schon immer zu kennen und an ihrer Seite gewesen zu sein. Mit ihr in ihrer kleinen Bucht, in der Marsch und in ihrem kleinen Boot auf dem Weg zu den Muscheln und allen anderen Marschbewohnern.

Das Buch ist sehr bewegend und melancholisch. Man erwartet manchmal vielleicht noch schrecklicher Dinge die Kya passieren könnten. Aber auch wenn das große Drama ausbleibt, fühlt man doch die Geschichte mit. Ich zumindest.

Ein verdienter Bestseller Titel der sehr lesenswert ist. Vor Allem, wenn man sich nach Natur und Ruhe sehnt.

 

Zitat:

Kya kehrte zurück zu den verlässlichen Phasen der Kaulquappen und dem Ballett der Leuchtkäfer, vergrub sich noch tiefer in der wortlosen Wildnis. Die Natur schien der einzige Stein zu sein, der ihr nicht mitten im Fluss unter den Füßen wegglitt.

(Seite 270, Kapitel 30)

 

ISBN 978-3-446-26419-9

Carl Hanser, 2019 (c.2018)

464 Seiten

Freitag, 10. September 2021

„Dune Saga (3) - Der Prophet (inkl. Anhang)“ von Frank Herbert


(Drittes Buch aus einem Sammelband, der die ersten drei Bände der Reihe umfasst.)

Inhalt (Achtung: Spoileralarm):

Jahre sind vergangen. Paul und seine Mutter gehören jetzt zu den Fremen. Er führt sein Volk in einen großen Befreiungskrieg.

 

Meinung:

Paul hat sich vollständig zum Herrscher entwickelt. Die Religion nimmt in diesem dritten Band einen noch höheren Stellenwert ein als in den beiden Vorgängern. Ich bin mir unschlüssig ob ich das gut oder schlecht finde. Die Entwicklung passt zu dem Roman, aber es wird nicht mehr in die Tiefe gegangen. Auch bei der großen „Erleuchtung“ des Muad‘dib findet keine wirkliche Besprechung seiner Veränderung statt. Wirklich schade, davon hätte ich mehr erwartet.

Auf lange Sicht stören mich die religiösen Aspekte sogar ein wenig. Auch manche Begrifflichkeiten führen bei mir zu Verwirrung. So hat Paul immer Angst vor einem unausweichlichen „Dschihad“, welcher einen heiligen Krieg bezeichnet, sich in meinem Verständnis aber eher auf die muslimische Religion bezieht. Naja. Ich verstehe trotzdem was gemeint ist.

Was ich wirklich loben muss ist die tolle Atmosphäre die geschaffen wird. Viele Erklärungen sind sehr detailliert, ohne langatmig zu sein.

Und natürlich hat bei mir die ganze Geschichte rund um den Wüstenplanet sowieso schon Kultstatus erreicht durch den alten Film und das zahlreiche Erscheinen in der heutigen Popkultur.

Ein gutes Buch für jeden SciFi Fan.

 

ISBN 3-453-30523-X (Sammelband mit drei Bänden)

Heyne, 1980 (c.1965)

215 Seiten

Sonntag, 22. August 2021

„Dune Saga (2) - Der Herr des Wüstenplaneten“ von Frank Herbert


(Zweites Buch aus einem Sammelband, der die ersten drei Bände der Reihe umfasst.)

Inhalt (Achtung: Spoileralarm):

Paul und Jessica sind auf der Flucht. Bis sie in der Wüste einer Gruppe Fremen begegnen. Jetzt beginnt sich ihr Schicksal zu erfüllen. Doch wie geht es mit Arrakis weiter?

 

Meinung:

Augenscheinlich wenig Handlung, dennoch spannender geschrieben als der Vorgänger. Ende kommt recht plötzlich. Lässt vermuten, dass die Handlung ursprünglich direkt weitergehen sollte. Vielleicht wollte der Verlag lieber zwei Bücher aus Band 2-3 machen und der Autor hatte die Geschichte vielleicht schon komplett?

Chani erscheint auf der Bildfläche und plötzlich wird’s auch romantisch.

Paul wirkt aber etwas unsicherer als im ersten Band. Das passt für mich nicht so richtig zusammen. Im ersten Buch wirkt er stets bedächtig, kühl und selbstsicher. Jetzt ist er manchmal unausgeglichen und ängstlich…?! Naja. Mal sehen wie es weitergeht. Den dritten Band werde ich noch lesen und dann malwieder was anderes.

 

Zitat:

In der Art der Bene Gesserit, die seine Mutter ihm beigebracht hatte, reduzierte Paul den hämmernden Schlag seines Herzens. Er fühlte, wie die Ruhe in ihm wieder die Oberhand gewann, wie seine Sinne sich auf Wesentliches konzentrierten und alle Nebensächlichkeiten aus ihm verbannten.

(Seite 61)

 

ISBN 3-453-30523-X (Sammelband mit drei Bänden)

Heyne, 1980 (c.1965)

212 Seiten

Samstag, 14. August 2021

„Dune Saga (1) - Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert


(Erstes Buch aus einem Sammelband, der die ersten drei Bände der Reihe umfasst.)

Inhalt (Achtung Spoileralarm):

Übernahme der Herrschaft auf Arrakis durch die Familie Artreides. Paul wird von Herzog Leto in sein zukünftiges Amt eingeführt und überhaupt hin mitgenommen. Auch bei einem Wurmangriff.

Ein unerwarteter Verräter, was spannend ist und die Handlung vorantreibt. Eine dramatische Szene um den gefangengenommen Leto, der ein Attentat auf Baron Harkonnen unternimmt.

 

Meinung:

Intensive Erzählung mit einigen inneren Monologen. Die Handlung startet anfangs etwas schleppend, am Ende ist die Geschichte aber äußerst spannend.

Pauls Entwicklung ist mir insgesamt zu „ruckhaft“. Zu wenig Handlung aus Sicht Pauls, obwohl man früh weiß, dass es eigentlich seine Geschichte ist.

Das Buch bietet einen guten Einstieg in Politik und Konsequenzen einer möglichen (extremen) Entwicklung der Menschheit, geprägt von Zwist zwischen den Häusern, die sich als andauernde Kontrahenten darstellen.

Die Lehre der Fremen steht dieser Entwicklung entgegen – sie schätzen einfache Dinge und wollen nur für ihren Planeten das Beste.

Ich bin auf weiter Bände der Reihe gespannt.

 

Zitat:

Jessica dachte an die Prophezeiung – an die Shari-A und die anderen Bestandteile der Panoplia Propheticus –, die eine jetzt schon längst nicht mehr lebende Bene Gesserit der Bevölkerung von Arrakis nahegebracht hatte: einzig und allein zu dem Zweck, eine Legendenbildung voranzutreiben, die eines Tages, in ferner Zukunft, eine andere Bene Gesserit dazu benutzen konnte, im Kreise der Fremen Hilfe zu erlangen.

Und jetzt war dieser Tag gekommen.

Mapes steckte das Messer in die Scheide zurück und sagte: „Dieses Messer ist auf keine bestimmte Person fixiert, Mylady. Behalten Sie es in Ihrer Nähe. Wenn es länger als eine Woche von Ihnen entfernt ist, fängt es an sich aufzulösen. Es ist für Sie – gemacht aus dem Zahn eines Shai-Hulud –, solange Sie leben.“

(Pos. 118/1122)

 

ISBN 3-453-30523-X (Sammelband mit drei Bänden)

Heyne, 1980 (c.1965)

272 Seiten

Sonntag, 4. Juli 2021

„Es war einmal… Das Leben (2) – Das Gehirn“ (Comic) von Minte


Text/Autor: Jean-Charles Gaudin

Inhalt:

Eine kleine Reise ins Gehirn.


Meinung:

Dieses Mal auch mit mehr anatomischen Bildern, als beim ersten Band („Das Herz“).

Mir gefällt sehr gut, dass auch ein kleiner Abstecher in unsere Vergangenheit - die Evolution zum modernen Menschen - vorgenommen wird. Diese anschauliche Darstellung (vgl. Vorschau unten) finden woher meine Söhne (aktuell drei und fünf Jahre alt) sehr interessant.

Leider muss ich aber auch bei diesem Buch wieder kritisieren, dass der Lerninhalte recht wenig ist. Ich hätte mir gut vorstellen können noch mehr über die verschiedenen Gehirnregionen und deren Bezeichnung zu lernen.

Mich hat überrascht, dass diese Comics erst jetzt rausgekommen sind - ist das doch eine Serie aus meiner Kindheit…

Insgesamt finde ich diesen Comic-Band sehr ansprechend. Sehr empfehlenswert ist es aber leider nicht. Nur eine nette Unterhaltung für zwischendurch.

 

ISBN 978-3-95839-981-5

Splitter (toonfish), 2019 (c.2017)

48 Seiten

Freitag, 2. Juli 2021

„Wie Gott uns Raum zum Leben schenkt“ von Julius Steinberg

Inhalt:

Der Theologie versucht positiv darzustellen welche Möglichkeiten für Selbstentwicklung und Lebensglück der christliche Glaube und die Bibel bieten. Er schlägt dabei einen äußerst versöhnlichen Ton an und gibt dem Leser einige praktische Anregung zu Umsetzung an die Hand.

 

Meinung:

Ich bin ja noch immer ein Neuling in Glaubensfragen. Und bibelfest bin ich schon dreimal nicht. Daher finde ich das Buch schon interessant, werden hier doch einige (oft alttestamentarische) Gebote/Weisungen in unser modernes Leben transferiert. Quasi überarbeitet ausgelegt.

Leider wird hier nicht sehr in die Tiefe gegangen. Was das Buch aber glaube ich auch gar nicht will. Fehlt mir aber trotzdem irgendwie, gefühlsmäßig.

Ab der Hälfte ungefähr, ist es mir etwas zu langweilig geworden. Hier wird dann nur noch auf die Zehn Gebote eingegangen und keine „neuen“ Gedanken mehr reingebracht. Damit meine ich, dass es mir danach zu linear wird und sich auch häufiger Wiederholungen wiederfinden.

Insgesamt lässt es sich schnell und angenehm lesen. Das finde ich wiederum gut und wichtig für so ein Buch, was ja doch als Ratgeber rübergekommen möchte.

Alles in allem leider nur okay.

 

Zitat:

Es geht darum, dass Lebensräume und Lebewesen zusammengehören. Lebewesen benötigen geeignete Lebensräume. Lebensräume dürfen eingenommen werden durch jeweils geeignete Lebewesen. Gott hat uns nicht nur geschenkt, dass wir da sind, sondern er hat uns auch einen Ort geschenkt, an dem wir sein können.

(Seite 29)

 

Über den Autor:

Julius Steinberg, Jg. 1972, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat Theologie in Gießen und in Leuven studiert und war Prediger einer Landeskirchlichen Gemeinschaft. Seit 2007 lehrt er im Fachbereich Altes Testament an der Theologischen Hochschule Ewersbach. (Quelle: Klappentext)

 

ISBN 978-3-417-26663-4

SCM, 2015

210 Seiten

Samstag, 26. Juni 2021

„Disney Villains (7) – Cruella, die Teufelin“ von Serena Valentino

Inhalt:

Die Lebensgeschichte von Cruella de Vil, bekannt aus „101 Dalmatiner“…

 

Meinung:

Hierbei handelt es sich um einen deutlich von den anderen Büchern der Reihe abgesetzten Roman.

Erzählt wird im Gegensatz zu den Vorgängern aus der Ich-Perspektive. Zuletzt erklärt die Autorin, sie habe Cruella lange interviewt um ihre Geschichte zu erfahren. Das gibt mir ein besonders realistisches Gefühl.

Die Ich-Perspektive wird sehr gut umgesetzt. Man versteht wie Cruella denkt und handelt, obwohl man sehr wohl weiß wie sie auf ihr Umfeld wirken muss.

Ihre geistige Entwicklung bis hin zum Wahnsinn ist sehr gut beschrieben. Es ist nicht einfach ein ganzes Leben (oder hier besser gesagt ein halbes Leben) in einen unterhaltsamen Roman zu packen. Ich bin positiv davon überrascht.

Obwohl ich immer noch sauer bin, dass die Geschichte der verdrehten Schwestern im letzten Buch so abrupt geendet hat, setzt dieser Band die Reihe außerordentlich gut weiter und bringt die Handlung in die Moderne.

 

Zitat:

[…] Meine Mama war mir so böse, ich konnte mich nicht dazu durchringen, ihr zu gestehen, dass wir unten mit der Dienerschaft Weihnachten gefeiert hatten.

„Cruella, antworte mir! Wessen Idee war das?“

Anita war es, die die Stimme erhob. „Es war meine Idee, Lady De Vil“, erklärte sie mit ihrer sanften, lieblichen Stimme. Anita war schon immer mutige gewesen, als ich gedacht hatte.

Es sind die Stillen, die man im Auge behalten muss. Denkt an meine Worte. Die stillen, aufmerksamen Mädchen sind die tödlichsten.

(Seite 158)

 

ISBN 978-3-551-28045-9

Carlsen, 2021 (c.2020)

350 Seiten


Mittwoch, 23. Juni 2021

„Es war einmal… Das Leben (1) – Das Herz“ (Comic) von Minte

Text/Autor: Jean-Charles Gaudin

Inhalt:

Wir begleiten die roten Blutkörperchen auf ihrem Weg durch den kleinen und den großen Kreislauf…

 

Meinung:

Es lebe die Nostalgie. Ach, was habe ich diese Zeichentrick Reihe als Kind geliebt. Davon hätte ich gern mehr gesehen, nur wusste ich nie, wann das kommt…

Der zugehörige Comic ist aber deutlich schwieriger zu verstehen.

Hier habe ich einige Kritikpunkte anzubringen…

Sogar als Erwachsener habe ich Probleme der „Handlung“ zu folgen. Wenn ich den Titel nicht gekannt hätte, hätte sich mir anfangs nicht mal erschlossen, um welches Organ / welchen Bereich es sich hier überhaupt handelt.

Ein kleines Bild des Körpers oder sowas wäre am Anfang auch hilfreich gewesen. Immerhin ist das der Comic und nicht die Fernsehserie. Konzeptionell wären unterstützende Bilder hier angebracht gewesen.

Insgesamt muss ich auch leider sagen, dass es für mich ziemlich langweilig zu lesen war - immer wieder das gleiche, immer wieder irgendwelche Tunnel lang ohne dass viel anderes beschrieben wird. Und weil es keine Bilder gibt wo man sich gerade befindet, kann man sich den Weg der roten Blutkörperchen echt schwer vorstellen.

Für Kinder muss es noch langweiliger sein…

Dass es auch quasi „Hauptcharaktere“ gibt ist mir erst gar nicht aufgefallen - die sehen halt logischerweise alle ähnlich aus. Aber dann am Schluss wurde so getan, als das doch klar war und man sich jetzt dafür interessieren müssen was mit ihm geschieht. Etwas konstruiert.

Und viel gelernt hab ich leider auch nicht. In der Geschichte wird nicht gerade mit Erklärungen oder interessanten Begriffen um sich geworfen. Alles total linear und einschläfernd, muss ich meinen Söhnen echt mal abends im Bett vorlesen 😉

Schade, ich hab irgendwie mehr erwartet.

Werde dem zweiten Band noch eine Chance geben, aber die Finger davon lassen, wenn der nicht etwas interessanter ist.

 

ISBN 978-3-95839-980-8

Splitter (toonfish), 2019 (c.2017)

46 Seiten 

Donnerstag, 17. Juni 2021

„Disney Villains (6) – Das Geheimnis der Schwester“ von Serena Valentino


Inhalt:

Die verdrehten Schwestern wollen aus der Zwischenwelt entkommen und Circe um jeden Preis für sich zurück haben. Während sie ihre Flucht planen finden Schneewittchen und Circe langsam heraus wie die drei Schwestern so böse geworden sind und woher sie eigentlich kommen…

 

Meinung:

Zunächst muss ich sagen, dass das für mich der spannendste Teil der Reihe ist. Dabei muss ich aber gleichzeitig loswerden, dass ich von dem Ende mehr als enttäuscht bin.

Die fünf Vorgänger waren trotz dem sie letztendlich irgendwie miteinander verstrickt sind, eigenständige Geschichten die auch in gewisser Hinsicht abgeschlossen waren. Dieser sechste Band endet sehr abrupt. Eben hab ich noch erwartet, dass die Geschichte jetzt (endlich) aufgelöst wird und plötzlich ist Schluss. Sehr frustrierend und schade. Denn eigentlich fand ich dieses Band ja am besten. Das hinterlässt einen miesen Beigeschmack.

Auch wenn sich die Geschichte erwartungsgemäß entwickelt, lebt das Buch davon dass nicht alle Handlungen vorhergesagt werden können.

Ich finde es einfach schön geschrieben. Natürlich muss ich gestehen, dass ich von Anfang an eine emotionale Bindung zu den Charakteren habe, weil ich einfach ein riesengroßer Disney- und Märchenfan bin.

Trotzdem hab ich mir einen Abschluss des Handlungsstrangs der verdrehten Schwestern sehnlichst erwünscht. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das im nächsten Buch (Cruella) wieder aufgegriffen werden soll, spielt sich bei Cruella doch alles in der Moderne ab und ohne mittelalterliches Setting. Mal sehen.

Wollte eigentlich mal wieder was anderes lesen, jetzt bin ich „gezwungen“ da weiterzumachen. Also los!

Nachtrag (kurze Zeit später):

Nachdem ich jetzt die ersten beiden Kapitel von „Cruella, die Teufelin“ verschlungen habe steht eins fest: die Geschichte von Circe und den verdrehten Schwestern wird nicht weitererzählt. Sollte das wirklich das Ende sein? Hab ich seinen Sinn irgendwie falsch verstanden?

Scheinbar wollte die Autorin es nur geheimnisvoll umschreiben/fertigstellen. Schade. Ok. Bin immer noch etwas enttäuscht davon. Leider.

 

Zitat:

Circe schnappte nach Luft. Sie sah aus, als ob ihr ein unsichtbares Wesen jegliches Leben ausgesaugt hätte. Die junge Hexe wirkte wie ein Geist, ihre Augen waren vor Entsetzen weit aufgerissen.

„Meine liebe Circe, habt ihr die Geschichte gelesen?“, fragte Schneewittchen. Circe nickte stumm,  unfähig zu sprechen, während sie mit der Erkenntnis kämpfte.

Schneewittchen ließ sich an ihrer Seite nieder und legte den Arm um ihre Cousine. „Sollen wir den Rest gemeinsam lesen, liebste Cousine? Habt keine Angst. Ich bin bei Euch.“

(Seite 176/177 – Immer Lucinda)

 

ISBN 978-3-551-28044-2

Carlsen, 2020 (c.2019)

280 Seiten

Samstag, 5. Juni 2021

„Disney Villains (5) – Das verzauberte Haar“ von Serena Valentino

Inhalt:

Gothel lebt mit ihrer Mutter und ihren Eiden Schwestern im Wald der Toten. Sie liebt Ihre Schwestern abgöttisch, aber alle drei haben Angst vor ihrer Mutter. Die Königin der Toten bleibt ewig jung mit Hilfe der verzauberten Rapunzeln. Alles ändert sich als Gothel auch etwas von der Magie erlernen will. Die wahre Grausamkeit der Mutter kommt plötzlich zum Vorschein. Wird Gothel später auch so eine Mutter sein…?

 

Meinung:

Insgesamt gefällt mir dieser Band sehr gut. Zumal es wieder stärker rum den Hauptcharakter, Gothel, geht. Die Geschichte ist mitreißend und flüssig erzählt.

Die Charakterausarbeitung lässt aus meiner Sicht trotzdem etwas zu wünschen übrig. Man kann denen Gedankensprüngen vom Gothel manchmal nur schwer folgend. Ihre Entscheidungen wirken mach mal nicht gut vorbereitet. Auf tiefe Melancholie folgt zum Beispiel plötzliche Gelassenheit/Träumerei. Schwierig zu benennen. Das findet eher auf der Gefühlsebene statt, wird aber nicht gut eingeleitet.

 

Zitat:

Gothel war geblendet von dem Glanz der Blumen und zu sehr von Ehrfurcht ergriffen, um ihrer Mutter zu antworten. […]

Das Licht, das die Rapunzeln verströmten, schien heller als der Schein der unzähligen Laternen, die ihre Mutter an großen eisernen Haken entlang der Wände aufgehängt hatte. Der Anblick raubte Gothel den Atem.

„Das ist dein wahres Erbe, Gothel. Das ist unser Vermächtnis“

(Seite 45)

 

ISBN 978-3-551-28042-8

Carlsen, 2020 (c.2018)

380 Seiten

 

Montag, 3. Mai 2021

„Disney Villains (4) – Das Geheimnis der dunklen Fee“ von Serena Valentino

Inhalt:

Maleficent (Male) will Ursula die letzte Ehre erweisen. Oder ist das nur ein Vorwand? Kommt sie vielleicht um endlich zu erfahren, ob sie doch noch gut werden kann? Wie kann die Eine der Legenden ihr helfen? Und wo sind die drei verdrehten Schwestern?

 

Meinung:

Immer mehr Figuren der unterschiedlichen Bände treffen nach und nach aufeinander. Man hat das Gefühl, dass sich der Knoten immer mehr zusammenzieht.

Umso weniger wichtig erscheint die eigentliche Hauptgeschichte des Romans. Maleficent tritt erst spät auf. Es geht oft um alle anderen Personen. Klar, es steht offenbar alles irgendwie miteinander in Verbindung, aber meine Erwartung, dass es sich hauptsächlich um Maleficent und ihren Charakter dreht, wurde nicht erfüllt.

Dennoch muss ich sagen, dass dieser Band bisher am spannendsten ist. Trotzdem erhoffe ich mir vom nächsten Buch der Reihe, dass die Geschichte der Hauptfigur nicht nur am Rande erzählt wird. Mals sehen.

Jetzt muss ich die Reihe auf jeden Fall fertig lesen...

 

Zitat:

Ich kann nicht zulassen, dass er sie aufweckt. Man könnte meinen, dass die Feen sich etwas Originelleres ausgedacht hätten. Praktisch jede Prinzessin in Gefahr wurde durch den ersten Kuss wahrer Liebe gerettet! Bei allen Göttern, können wir uns zwischen Hexen und Feen nicht etwas Kreativeres einfallen lassen? Ich bin es so leid. Warum kann eine Prinzessin nicht um ihr eigenes Leben kämpfen und ihren Fluch selbst brechen? Warum muss es immer ein Prinz sein? […]

(Seite 152)

 

ISBN 978-3-551-28036-7

Carlsen, 2020 (c.2017)

310 Seiten

 

Dienstag, 30. März 2021

„Disney Villains (3) – Die Einsame im Meer“ von Serena Valentino

Inhalt:

Ursula, die Seehexe, schwört Rache an ihrem Bruder Triton. Ihr fehlt nur noch einer Seele um die Macht über ihn zu erlangen: Arielles Seele. Um ihren Plan zu verwirklichen bittet sie die drei verdrehten Schwestern um Hilfe.

 

Meinung:

Bei diesem dritten Band fiel es mir etwas schwerer der Story zu folgen. Es wirkt alles etwas chaotisch. Ich finde man merkt, dass Valentino hier langsam die umspannende Geschichte einführen will, die alle Bände abrunden soll.

Daher stehen auch oft die drei Schwestern im Mittelpunkt. Insgesamt würde ich sogar fast behaupten, dass die Geschichte der anderen Hexe intensiver dargestellt wird als Ursulas Geschichte.

Ich frage mich, wie jemand der den Film „Arielle die kleine Meerjungfrau“ nicht kennt, das Buch wohl findet? Ich vermute, dass derjenige enorme Probleme hätte der Handlung überhaupt zu folgen.

Ok, mir ist klar, dass es sich hier um ein Werk für Fans handelt. Also ist das für mich vollkommen in Ordnung.

Auch wenn die Zusammenhänge nicht sonderlich gut ausgearbeitet sind, finde ich das Buch gut geschrieben. Ich mag den angenehmen Stil der Autorin. Passt hervorragend zu der leichten Lektüre.

Für Fans auf jeden Fall ein Muss :-)

 

Zitat:

[…] Nur höchst selten hatte Ursula bisher ihre wahre Gestalt enthüllt, solange sie an Land weilte. Es war schmerzhaft und erschwerte ihr das Atmen, und in der falschen Gesellschaft konnte es ihrem Wohlbefinden unermesslichen Schaden zufügen. Doch für den Bruchteil einer Sekunde ließ sie nun ihr wahres Selbst hervorblitzen. Es war, als ob der Zorn in ihrem Inneren sich mit aller Gewalt einen Weg ins Freie bahnte, endlich frei von seinen menschlichen Fesseln.

(Seite 36/37)

 

ISBN 978-3-551-28034-3

Carlsen, 2019 (c.2016)

200 Seiten



Samstag, 6. März 2021

„Disney Villains (2) – Das Biest in ihm“ von Serena Valentino

Inhalt:

Wie wurde der Prinz zum Biest? Was hat seinen Charakter ausgemacht? Hier wird die Geschichte ein bisschen anders dargestellt...

 

Meinung:

Es gibt doch einige Unterschiede zum Disney Film. Der Prinz wird hier nicht plötzlich in ein Biest verwandelt. Seine Verwandlung zieht sich über mehrere Monate, vielleicht sogar Jahre.

Und dann scheint schon ganz schnell Belle auf der „Bühne“ zu erscheinen. Also scheint mir insgesamt der Zeitraum der Handlung etwas strammer als im Film.

Ich denken mal, dass das auch der Logik geschuldet ist. Immerhin darf der Prinz am Ende ja auch nicht zu alt sein und die Bediensteten dürfen ihre Verwandten ja auch nicht einfach überleben. Schwierig darzustellen. Vielleicht hat Valentino deswegen die Geschichte dahingehend abgewandelt, dass die eigentliche Verwandlung länger dauert als die Zeit in der er ein Biest ist. So wirkt es zumindest auf mich.

Es gibt eine Szene die für mich nicht befriedigend aufgelöst wird. Denn scheinbar scheint Belle ihm schon vor seiner vollständigen Verwandlung aufgefallen zu sein. Auf einem Ball wo er ein Mädchen in gelbem Kleid bemerkt, sie aber nicht kennenlernt.

Leider wird darauf später gar nicht mehr eingegangen, worauf man sich immer fragt, ob das jetzt Belle war oder nicht? Schade.

Die eigentliche Liebesgeschichte fehlt mir leider auch ein bisschen. Und seien wir mal ehrlich, das ist doch das was man hier lesen möchte. Meiner Erwartung wurde hier nicht so ganz erfüllt.

Naja. Es soll ja auch Wiegendrucke ein Buch über einen Disney Bösewicht sein. Vielleicht würde ich sogar eher sagen, dass der Prinz hier gar nicht reinpasst, weil er im eigentlichen Sinne kein Bösewicht ist. Eher Ist Gaston der Bösewicht der Geschichte. Seine Rolle kommt hier dann eventuell etwas zu kurz, bzw. eigentlich hätte das Buch von ihm handeln müssen, aber wer will das schon lesen ;-)

Insgesamt gefällt mir das Buch trotzdem sehr gut. Ich bin halt ein eingefleischter Fan.

 

Zitat:

Der Prinz kam sich unglaublich töricht vor, weil er glaubte, tatsächlich verflucht zu sein. Er sah aus dem Fenster auf die Bäume, deren Wipfel heftig schwankten, als tanzten sie zu einem wilden Lied, das nur sie hören könnten.

(Seite 59)

 

ISBN 978-3-551-28021-3

Carlsen, 2019 (c.2016)

216 Seiten

 

Freitag, 19. Februar 2021

„Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler

Inhalt:

Das kleine Gespenst wohnt in einer Truhe hoch oben in einer Burg. Jede Nacht um Mitternacht spuckt es für eine Stunde durchs Schloss, bis es eines Tages entscheidet weiterzuschlafen und erst um zwölf Uhr mittags aufzuwachen, doch dann kann es plötzlich nicht mehr nachts aufwachen…

 

Meinung:

Dieses Buch habe ich an den letzten Abenden meinen Kindern vorgelesen, wollte es aber schon lange mal lesen. Die Kinder lieben die Geschichte und bevor wir eine Verfilmung davon schauen, wollte ich ihnen erst mal die Originalgeschichte näherbringen (und mir auch).

Es handelt sich hierbei um einen Klassiker der Kinderbücher und ich muss auch sagen, es ist wunderschön. Typisch für Preußler wirkt alles sehr magisch und fantasievoll. Man fiebert mit dem Hauptcharakter mit und möchte das kleine Gespenst am liebsten an die Hand nehmen und ihm helfen.

Die liebevolle Geschichte geht unter die Haut und auch die Kinder haben gebannt gelauscht. Ich liebe alle Bücher des Autors und finde es richtig schade, dass er schon gestorben ist. Seine Werke bezaubern uns schon seit Generationen.

Große Empfehlung meinerseits.

 

Zitat:

Manchmal bekam das kleine Gespenst Heimweh nach seinem Dachboden und der Truhe aus Eichenholz.

Manchmal wurde es traurig bei dem Gedanken, daß es in Zukunft womöglich immer bei Tageslicht geistern sollte und nie mehr um Mitternacht.

„Bei Vollmond“, dachte es seufzend, „war es sehr schön auf dem Eulenstein…“

(Seite 60)

 

ISBN 3-522-11080-3

Thienemann, 1996 (c.1966)

136 Seiten



Samstag, 23. Januar 2021

„James und der Riesenpfirsich“ von Roald Dahl


Mit Illustrationen von Quentin Blake

Inhalt:

Dahls erstes Kinderbuch ist eine spannende, kurzweilige Geschichte voller Abenteuer: James muss bei seinen gemeinen Tanten aufwachsen. Er wird den ganzen Tag nur drangsaliert und muss alles für die Beiden machen. Als er eines Tages einen Pakt abschließt und durch ein kleines Missgeschick nur ein Riesenpfirsich entsteht, stellt er aber fest, dass dieser Pfirsich bewohnt ist. Bald flieht er mit dem Pfirsich und seinen Bewohnern von den Tanten. Eine Reise beginnt.

 

Meinung:

Die Tiere des Pfirsichs sind durch den Zauber auch groß geworden, sind aber sehr vermenschlicht, wie in einer Fabel.

James versteht sich mit seinen neuen Freunden besser als mit seinen Tanten. Hier kann er zeigen, was er tolles leisten kann. Die Tiere sind besser Freunde für ihn, als er in der echten Welt je hatte. Denn alles scheint sehr phantastisch.

Dadurch fließt immer etwas Traurigkeit in die Geschichte ein. James hat mir von Anfang an leidgetan. Da gleiche habe ich auch schon bei anderen Kinderbüchern von Roald Dahl erlebt.

Die Erwachsenen sind auch hier die Bösen. James flüchtet sich in ein phantastisches Abenteuer.

Die Reise endet in einer neuen Stadt. So wird ein hoffnungsvoller Abschluss gefunden.

 

Zitat:

Der Tausendfüßler gefiel James. Er machte sich offensichtlich gern über seine Gefährten lustig, aber er war wirklich witzig, und es tat gut, mal jemanden lachen zu hören. In all den langen Jahren bei Tante Schwamm und Tante Zinke hatte James niemals irgendjemanden lachen hören. Und er selbst hatte auch niemals Grund zum Lachen gehabt.

(Seite 45, Kapitel 12)

 

ISBN 978-3-499-21183-6

Rowohlt, 2012 (c.1961)

160 Seiten

Sonntag, 17. Januar 2021

„Disney Villains (1) – Die Schönste im ganzen Land“ von Serena Valentino

Inhalt:

Die (zukünftige) Königin ist die die Tochter des bekannten Spiegelmachers. Kurz nachdem sie dem König auffällt Tatort ihr Vater. Der König nimmt sie zur Frau und sie nimmt sich liebevoll ihrer Stieftochter, Schneechen, an. Als der König immer öfter auf Feldzug geht, beginnt langsam ihre Veränderung. Was trägt der große Spiegel aus ihrem Schlafgemach dazu bei?

 

Meinung:

Das Buch zeigt die zunehmende Psychose der Königin, die allmählich ihren Wahnvorstellungen erliegt.

Das wird dadurch erreicht, dass die Charakterentwicklung relativ schnell vorangetrieben wird. Hier hätte ich mir eine tiefere Ausarbeitung gewünscht.

Etwas irritierst bin ich davon, dass man den Namen der Königin nicht erfährt. Sie wird von Anfang an einfach nur „die Königin“ genannt, auch sogar bei der Handlung vor der Hochzeit mit dem König.

Ich kann mich der Vermutung nicht erwehren, dass das ein Kunstgriff sein sollte. Gestört hat es mich aber nicht.

Besonders gut gefällt mir die zweite Hälfte da Romans. Hier läuft nicht mehr alles so glatt es kommt verstärkt zu Problemen.

Am Ende finde einen Part spannend, wo ich als Leser auch kurz nicht mehr wusste, ob sie es gerade erlebt oder sich nur einbildet. Ganz gut gemacht.

Als großer Disney-Fan kann ich mich insgesamt positiv für das Buch aussprechen.

Es handelt sich hier jedoch um eine sehr kurzweilige Geschichte. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es den meisten Lesern zu langweilig sein könnte.

 

Zitat:

Sie beschloss, den Spiegel mit schweren Samtvorhängen zu verhüllen. Denn sie hoffte, ihn aus ihren Gedanken verbannen zu können, wenn sie ihn nicht mehr vor Augen hatte, und ihm damit seine unerklärliche Macht über sie zu nehmen. […]

Und trotzdem: Das Gesicht des Mannes im Spiegel verfolgte sie bis in ihre Träume.

(Seite 62)

 

ISBN 978-3-551-28020-6

Carlsen, 2019 (c.2018)

260 Seiten


 

Mittwoch, 6. Januar 2021

„Die geheime Mission des Kardinals“ von Rafik Schami

Inhalt:

Kommissar Barudi steht kurz vor der Pensionierung, als die Leiche eines Kardinals in der italienischen Botschaft in Damaskus abgeliefert wird. Es soll sein letzter Fall sein. Barudi bekommt einen italienischen Kollegen zu Seite gestellt, um herauszufinden wer den Kardinal ermordet hat. Wird er den Fall lösen können, oder wird es so ein Desaster wie sein allererster Fall, bei dem am Ende der syrische Geheimdienst das Sagen hatte...?

 

Meinung:

Zunächst geht in dem Roman alles sehr gemütlich und beschaulich vor. Der leichte Trott wirkt auf mich schon ein wenig einschläfernd.

Im Nachhinein muss ich vermuten, das Schami nur ganz langsam die vielen gesellschaftskritischen Hiebe vorbereiten wollte, die er gegen Ende Zunehmen verbalisiert.

Es geht um den Geheimdienst, Korruption, religiöser Fanatismus, Ungleichbehandlung von Mann und Frau, Aberglaube und Freundschaft.

Kein Thema wird offen gelassen. Eingebettet in einen ruhigen Krimi. Denn obwohl sich Barudi am Ende auch in Gefahr begibt, hab ich als Leser nie Angst um seine Sicherheit verspürt.

Was halte ich jetzt von dem Roman?

Mir fällt es schwer eine Meinung zu bilden, weil ich den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen nicht mal richtig einschätzen kann. Ich habe leider nur wenig Ahnung von der Politik des nahen Ostens. Auch mit der syrischen Geschichte kenne ich mich nicht aus. Beides bräuchte man um seine Geschichte richtig bewerten zu können.

Vom Gefühl her würde ich sagen, dass es sich bei dem Buch nicht um einen Schocker handelt, aber man dich vielleicht ein Gefühl dafür bekommt, welche Stimmung in der syrischen Gesellschaft vor dem aktuellen Krieg geherrscht haben könnte.

Wie immer gefällt mir Schamis Stil außerordentlich gut. Er ist ein wahrer Erzählkünstler.

Dennoch werde ich das Buch wohl nicht behalten. Ich mag seine Märchen lieber.

Bin ich einfach zu naiv?

 

Zitat:

Barudi wählte Mancinis Nummer. Belegt. Er trank sein Tässchen leer und schenkte sich ein zweites ein, Suleiman winkte ab. Er habe in letzter Zeit zu viel Kaffee getrunken, sagte er. Barudi versuchte es nochmal bei Macini. Belegt.

„Was geht dir durch den Kopf?“, fragte Barudi seinen Chef.

[...]

Barudi hörte aus den Worten seines Chefs den puren Opportunismus heraus. Er suchte vergeblich nach einer starken eigenen Meinung. Und das, nachdem die Kriminalpolizei eine kräftige Ohrfeige hatte einstecken müssen.

(Seite 224)

 

ISBN 978-3-446-26379-6

Hanser, 2019

432 Seiten