Samstag, 23. Januar 2021

„James und der Riesenpfirsich“ von Roald Dahl


Mit Illustrationen von Quentin Blake

Inhalt:

Dahls erstes Kinderbuch ist eine spannende, kurzweilige Geschichte voller Abenteuer: James muss bei seinen gemeinen Tanten aufwachsen. Er wird den ganzen Tag nur drangsaliert und muss alles für die Beiden machen. Als er eines Tages einen Pakt abschließt und durch ein kleines Missgeschick nur ein Riesenpfirsich entsteht, stellt er aber fest, dass dieser Pfirsich bewohnt ist. Bald flieht er mit dem Pfirsich und seinen Bewohnern von den Tanten. Eine Reise beginnt.

 

Meinung:

Die Tiere des Pfirsichs sind durch den Zauber auch groß geworden, sind aber sehr vermenschlicht, wie in einer Fabel.

James versteht sich mit seinen neuen Freunden besser als mit seinen Tanten. Hier kann er zeigen, was er tolles leisten kann. Die Tiere sind besser Freunde für ihn, als er in der echten Welt je hatte. Denn alles scheint sehr phantastisch.

Dadurch fließt immer etwas Traurigkeit in die Geschichte ein. James hat mir von Anfang an leidgetan. Da gleiche habe ich auch schon bei anderen Kinderbüchern von Roald Dahl erlebt.

Die Erwachsenen sind auch hier die Bösen. James flüchtet sich in ein phantastisches Abenteuer.

Die Reise endet in einer neuen Stadt. So wird ein hoffnungsvoller Abschluss gefunden.

 

Zitat:

Der Tausendfüßler gefiel James. Er machte sich offensichtlich gern über seine Gefährten lustig, aber er war wirklich witzig, und es tat gut, mal jemanden lachen zu hören. In all den langen Jahren bei Tante Schwamm und Tante Zinke hatte James niemals irgendjemanden lachen hören. Und er selbst hatte auch niemals Grund zum Lachen gehabt.

(Seite 45, Kapitel 12)

 

ISBN 978-3-499-21183-6

Rowohlt, 2012 (c.1961)

160 Seiten

Sonntag, 17. Januar 2021

„Disney Villains (1) – Die Schönste im ganzen Land“ von Serena Valentino

Inhalt:

Die (zukünftige) Königin ist die die Tochter des bekannten Spiegelmachers. Kurz nachdem sie dem König auffällt Tatort ihr Vater. Der König nimmt sie zur Frau und sie nimmt sich liebevoll ihrer Stieftochter, Schneechen, an. Als der König immer öfter auf Feldzug geht, beginnt langsam ihre Veränderung. Was trägt der große Spiegel aus ihrem Schlafgemach dazu bei?

 

Meinung:

Das Buch zeigt die zunehmende Psychose der Königin, die allmählich ihren Wahnvorstellungen erliegt.

Das wird dadurch erreicht, dass die Charakterentwicklung relativ schnell vorangetrieben wird. Hier hätte ich mir eine tiefere Ausarbeitung gewünscht.

Etwas irritierst bin ich davon, dass man den Namen der Königin nicht erfährt. Sie wird von Anfang an einfach nur „die Königin“ genannt, auch sogar bei der Handlung vor der Hochzeit mit dem König.

Ich kann mich der Vermutung nicht erwehren, dass das ein Kunstgriff sein sollte. Gestört hat es mich aber nicht.

Besonders gut gefällt mir die zweite Hälfte da Romans. Hier läuft nicht mehr alles so glatt es kommt verstärkt zu Problemen.

Am Ende finde einen Part spannend, wo ich als Leser auch kurz nicht mehr wusste, ob sie es gerade erlebt oder sich nur einbildet. Ganz gut gemacht.

Als großer Disney-Fan kann ich mich insgesamt positiv für das Buch aussprechen.

Es handelt sich hier jedoch um eine sehr kurzweilige Geschichte. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es den meisten Lesern zu langweilig sein könnte.

 

Zitat:

Sie beschloss, den Spiegel mit schweren Samtvorhängen zu verhüllen. Denn sie hoffte, ihn aus ihren Gedanken verbannen zu können, wenn sie ihn nicht mehr vor Augen hatte, und ihm damit seine unerklärliche Macht über sie zu nehmen. […]

Und trotzdem: Das Gesicht des Mannes im Spiegel verfolgte sie bis in ihre Träume.

(Seite 62)

 

ISBN 978-3-551-28020-6

Carlsen, 2019 (c.2018)

260 Seiten


 

Mittwoch, 6. Januar 2021

„Die geheime Mission des Kardinals“ von Rafik Schami

Inhalt:

Kommissar Barudi steht kurz vor der Pensionierung, als die Leiche eines Kardinals in der italienischen Botschaft in Damaskus abgeliefert wird. Es soll sein letzter Fall sein. Barudi bekommt einen italienischen Kollegen zu Seite gestellt, um herauszufinden wer den Kardinal ermordet hat. Wird er den Fall lösen können, oder wird es so ein Desaster wie sein allererster Fall, bei dem am Ende der syrische Geheimdienst das Sagen hatte...?

 

Meinung:

Zunächst geht in dem Roman alles sehr gemütlich und beschaulich vor. Der leichte Trott wirkt auf mich schon ein wenig einschläfernd.

Im Nachhinein muss ich vermuten, das Schami nur ganz langsam die vielen gesellschaftskritischen Hiebe vorbereiten wollte, die er gegen Ende Zunehmen verbalisiert.

Es geht um den Geheimdienst, Korruption, religiöser Fanatismus, Ungleichbehandlung von Mann und Frau, Aberglaube und Freundschaft.

Kein Thema wird offen gelassen. Eingebettet in einen ruhigen Krimi. Denn obwohl sich Barudi am Ende auch in Gefahr begibt, hab ich als Leser nie Angst um seine Sicherheit verspürt.

Was halte ich jetzt von dem Roman?

Mir fällt es schwer eine Meinung zu bilden, weil ich den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen nicht mal richtig einschätzen kann. Ich habe leider nur wenig Ahnung von der Politik des nahen Ostens. Auch mit der syrischen Geschichte kenne ich mich nicht aus. Beides bräuchte man um seine Geschichte richtig bewerten zu können.

Vom Gefühl her würde ich sagen, dass es sich bei dem Buch nicht um einen Schocker handelt, aber man dich vielleicht ein Gefühl dafür bekommt, welche Stimmung in der syrischen Gesellschaft vor dem aktuellen Krieg geherrscht haben könnte.

Wie immer gefällt mir Schamis Stil außerordentlich gut. Er ist ein wahrer Erzählkünstler.

Dennoch werde ich das Buch wohl nicht behalten. Ich mag seine Märchen lieber.

Bin ich einfach zu naiv?

 

Zitat:

Barudi wählte Mancinis Nummer. Belegt. Er trank sein Tässchen leer und schenkte sich ein zweites ein, Suleiman winkte ab. Er habe in letzter Zeit zu viel Kaffee getrunken, sagte er. Barudi versuchte es nochmal bei Macini. Belegt.

„Was geht dir durch den Kopf?“, fragte Barudi seinen Chef.

[...]

Barudi hörte aus den Worten seines Chefs den puren Opportunismus heraus. Er suchte vergeblich nach einer starken eigenen Meinung. Und das, nachdem die Kriminalpolizei eine kräftige Ohrfeige hatte einstecken müssen.

(Seite 224)

 

ISBN 978-3-446-26379-6

Hanser, 2019

432 Seiten