Donnerstag, 19. Mai 2022

„Oliver Twist“ von Charles Dickens

Inhalt:

Die berühmte Geschichte des armen Waisenjungen Oliver, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts in London quasi ums Überleben kämpft. Er gerät dabei an eine Diebesbande und versucht mehrfach sich dem Elend zu entziehen. Doch welches große Geheimnis um seine Herkunft liegt im Verborgenen?

 

Meinung:

Auf meinem Weg die großen und bekannten Klassiker der Weltliteratur zu lesen, kam ich um „Oliver Twist“ nicht drum rum. Das Buch erwies sich dann aber zum Glück als sehr leicht zu lesen und auch äußerst spannend.

Im ersten Teil geht es um Olivers Elend und viel Unglück was ihm immer wieder zustößt. Als Leser wird man schockiert von den Missständen und der Brutalität in seinem jungen Leben. Ich habe wirklich mit ihm mit gelitten. Die Geschichte ist sehr bewegend.

Dann kommt ein für mich sehr plötzlicher Wechsel, als quasi Olivers Glückssträhne beginnt. Dies kam etwas abrupt und hat meinen Lesefluss etwas gehemmt. So, als habe ich mich erst mal gewehrt zu glauben, dass Oliver jetzt sicher ist…

Leider muss ich mit anderen Kritiken mitgehen und empfinde Oliver ebenso als äußerst unrealistischen Hauptcharakter. So vereint er alle möglichen klischeehaften Postbotinnen Eigenschaften in seiner Person - er ist gottesfürchtig, edelmütig, sittsam, clever, friedlich und liebenswürdig. Zu gut insgesamt, wenn man bedenkt, dass er weder so erzogen wurde, noch beispielhafte Personen zum Nacheifern vor sich hatte..?!

Naja. Ich könnte mir vorstellen, dass Dickens damit auch einen großen Kontrast abbilden wollte. Olivers Wesen wirkt in riesigem Gegensatz und den Beschreibungen der Missstände.

Soll das außerdem bedeuten, dass jeder sich dazu entscheiden kann „gut“ zu sein, egal welche äußeren Einflüsse auf einen einwirken?

Können Menschen aus sich heraus so sein wie Oliver? Ich weiß es nicht.

Ich bin froh, dass im Abschluss noch geschildert wird was aus allen Beteiligten wird. Das bildet einen schönen Abschluss für den Roman. Es bleibt kein „bitterer Geschmack“ mehr zurück. Vielleicht ist das ein Grund für den Erfolg der Geschichte, bereits als sie erstmals (damals als kleine Fortsetzungsfolge in einer Zeitschrift) erschienen ist.

Mir hat es wirklich gut gefallen.

 

Zitat (AUCHTUNG SPOILER):

„Mein lieber Oliver, wo bist du gewesen? Warum siehst du so traurig aus?“ fragte Mrs. Maylie. „Was fehlt dir?“

Wir leben in einer Welt der Täuschung, wie oft sehen wir unsere liebsten Hoffnungen vereitelt!

Der arme, kleine Dick war tot.

(Seite 236, Kapitel 34)

 

ISBN 3-8000-4607-5

Ueberreuter, 1976 (c.1838)

246 Seiten