Inhalt:
Bret ist im Abschlussjahr an
einer Elite-High School in Los Angeles. In seinem privilegierten Leben ist er
ständig High oder auf der Suche nach sexueller Befriedigung. Er ist 17 als eine
Reihe von Einbrüchen und Morden in der Umgebung startet. Ein Serienmörder
treibt sein Unwesen. Hat dieser etwas mit seinem neuen Mitschüler Robert zu
tun?
Meinung:
Ellis beschreibt eine Jugend
voller Extreme. Seine Beliebtheit an der Highschool beruht auf seinen
Freundschaften zu den coolen Kids. Er ist selbst charismatisch, sieht sich aber
eher als Einzelgänger, da er zum Beispiel auch eine andere sexuelle Vorliebe,
als seine Klassenkameraden hat. Außerdem steht für ihn schon fest, dass er nach
der Schule Schriftsteller werden möchte. Er wartet eigentlich nur darauf,
seinen Abschluss hinter sich zu bekommen. Vor seinen Freunden spielt er laut
eigener Aussage eine Rolle. Alles ist ein Spiel für ihn.
In dieser Zeit der sexuellen
Unsicherheit und des exzessiven Drogenkonsums, lässt er sich schnell von der
Idee gefangen nehmen, dass sein neuer Klassenkamerad etwas mit dem Verschwinden
der ersten Opfer des Serienmörders zu tun hat.
Der Autor beschreibt ein
intensives Bild der High Society Jugend dieser Zeit - Anfang der 1980er. Dafür
verwendet er einen regelrechten Soundtrack dieses Jahrzehnts. Offensichtlich
wurde Ellis auch von dieser Zeit und dieser Musik, stark geprägt. Durch die
intensive und detaillierte Beschreibungen des Autors fühlt man sich als Leser
wie in einer Zeitkapsel, 40 Jahren die Vergangenheit zurückversetzt.
Dennoch muss ich kritisieren,
dass zumindest der Mittelteil des Romans von häufigen Wiederholungen und immer
wieder gleichen Beschreibungen des „Alltags“ gekennzeichnet ist. Dieser ist
zwar für mich ungewöhnlich aber die Repetition wirkt zwischendurch etwas
langweilig und statisch. Die extremen Sexszenen (vorzugsweise
gleichgeschlechtlicher Sex) gleichen sich einander. Man könnte sagen, dass das
eigentlich den Charakter der Zeit unterstreicht, auf mich als Leser, in den
2020ern wirkt es eher langweilig.
Jedoch muss ich zugeben, dass ich
schon das Gefühl habe, Sex zwischen Männern und auch deren gegenseitige
Anziehung jetzt besser verstehen zu können. Auf jeden Fall finde ich, dass
dieses Buch zur sexuellen Aufklärung und Gleichberechtigung beiträgt.
Ich könnte mir vorstellen, dass
der Auto auch bezwecken wollte, dazu stellen, was für einen schlechten
Stellenwert Schwule in dieser Zeit noch hatten.
Der Autor hat hier ein fiktives
autobiografisches Werk herausgebracht. Ich wollte mir die Spannung nicht nehmen
und habe erst am Schluss erfahren, ob die Situationen real macht oder nicht.
Zumindest die Stimmung und Ängste des Autors entspringen der Wirklichkeit.
Das letzte Drittel war noch mal
von enormer Spannung geprägt und hat ein gutes Bild auf die Psyche des
Hauptcharakters geworfen.
Ellis ist besonders bekannt für
seinen Roman „American Psycho“, den ich bisher noch nicht gelesen habe. Das
werde ich sicherlich noch irgendwann nachholen, denn insgesamt hat mir dieses
Buch hier sehr gefallen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass
es eine Kontroverse über diesen Roman gibt. Ich für meinen Teil kann ihn
empfehlen, muss aber auch sagen, dass ich etwas mehr erwartet habe.
Zitat:
Ich bekam es in jener Woche ein
wenig mit der Angst zu tun, obwohl im Bekanntwerden des Trwalers etwas
mitschwang - eine Bestätigung des Bösen –, was alles vor sanfter Melodramatik
vibrieren ließ, und in der sich einstellenden Atmosphäre – zugespitzt, leicht
gefährlich, irgendwie sexualisiert – empfand ich beinahe eine Art freudige
Erregung.
(S. 255, Kapitel 10)
ISBN 978-3-462-00482-3
Kiepenheuer&Witsch, 2023
740 Seiten