Inhalt:
Robin ist ein kantonesischer Junge, der mit erleben muss, für seine Mutter an der Cholera stirbt. Kurz darauf erscheint ein englischer Professor, der ihn ins London des 19. Jahrhunderts mit nimmt und ihn dort weiter in Sprachen unterrichten lässt. Später studiert Robin an der Universität von Oxford Sprachen am Institut Babel.
Meinung:
Hier wird auch mit Silberwerken gearbeitet, die mit den richtigen Wortarten versehen, mächtige Verstärkung oder Zauber bewirken können.
Aber wer wird dafür ausgebeutet?
Wir erleben nahezu Robins ganzes Leben. Seit innerer Konflikt wird zum Ende immer stärker: soll er sich dem englischen Reichtum ergeben oder gegen Ausbeutung und Krieg ankämpfen?
Das Thema Ausbeutung und Revolution ist in diesem Roman all gegenwärtig. Die Autorin versteht es auf geschickte Weise, die Entstehung einer Bürgerrevolte darzustellen.
Die Charaktere sind spannend und vielschichtig. Als Leser hätte ich mir gewünscht, manchmal mehr über sie zu erfahren.
Geschrieben ist das Buch aus Robins Sicht.
Besonders schön finde ich alles, was man über Sprache und Literatur erfährt. Insgesamt ist der Roman ein Muss für jeden Buchliebhaber. Am liebsten möchte man bei den Diskussionen der Charaktere teilnehmen und selbst in Babel studieren. Umso dramatischer ist der Wandel, der in Robin vorgeht und alles, was daraus entsteht.
Einfahrt zieht der Geschichte ist das am Ende nur mit Gewalt eine Lösung gefunden werden konnte. Diese Aussage ist bestimmt vielen Kritikern so krass und eventuell nicht mehr zeitgemäß. Hier wird kein Pazifismus gepredigt.
Aber man muss auch nicht mit der Hauptfigur über einstimmen. Das bleibt dem Leser selbst überlassen.
Andere Themen sind Rassismus und Familie, sowie Freundschaft und Aufopferung. Das Rassismus-Thema ist allgegenwärtig und wird von verschiedenen Sichtpunkten beleuchtet.
Der Kolonialismus spielt eine große Rolle und wird von der Autorin bis ins Detail auseinandergenommen. Das passt aus meiner Sicht gut zu diesem Dark Academia Roman.
Natürlich handelt es sich hierbei um einen Fantasy Roman, aber der Wahrheitsgehalt der Geschichte klingt immer mit.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich kann es jedem Viel-Leser ans Herz legen.
Ich verstehe aber nicht, warum sich scheinbar viele Leser mit diesem Werk äußerst schwertun. Ich fand es zu keiner Zeit langweilig, und der Stil hat mir auch sehr gut gefallen.
Empfehlenswert.
Zitate:
„[..] Reisen klingt schön, bis dir auffällt, dass du eigentlich nur mit einer Tasse Tee und einem Stapel Bücher daheim vor dem Kamin sitzen willst.“
Seite 114
„[..] Ich ertrinke. Und ich ertrinke schon so lange, und ich wollte einen Ausweg, aber ich habe keinen gefunden, der sich nicht – nicht völlig verantwortungslos anfühlt. „
Seite 704
ISBN 978-3-8479-0143-3
Bastei Lübbe von 2023 (c.2022)
740 Seiten
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