Inhalt:
Piranesi lebt in einem Haus von Vestibülen, großen Hallen und teilweise riesigen Statuen. Täglich rauscht das Meer durch die unteren Hallen. Die Gänge und Hallen erstrecken sich weit in alle vier Himmelsrichtung. Es gibt nur einen anderen Bewohner, Der Andere. Piranesi führt Tagebuch und erfährt nach und nach mehr über seine eigene Vergangenheit.
Meinung:
Ich hatte hohe Erwartungen an diesen Roman, welche auch nicht enttäuscht wurden. Tatsächlich hat mich die Intensität des Buches überrascht, da die Meinungen im Internet doch stark auseinandergehen. Entgegen anderer Meinungen fand ich das Buch überhaupt nicht schwer zu lesen.
Dass es sich hierbei um ein philosophisches Werk handelt, wusste ich zu Beginn nicht. Die Erzähldichte der Autorin ist überragend. Obwohl augenscheinlich nicht viel passiert, schafft sie es, den Leser in diese sonderbare Welt zu entführen, in der auch Piranesi „gefangen“ ist.
Wie in einem Krimi erfahren wir nach und nach, was hinter Piranesi Aufenthalt im Haus steckt. Durch den äußerst fantastischen Beginn habe ich überhaupt nicht mit einer Auflösung gerechnet und wurde daher angenehm überrascht.
Das Buch passt für mich erstaunlich gut in die aktuelle Gegenwart. Am Ende kann man Piranesi gut verstehen, ich möchte hier aber nichts spoilern, daher möchte ich hier nicht näher auf das Ende eingehen.
Ich bin überrascht, welchen Nachhall das Buch in mir ausübt. So hat mich ein Roman schon lange nicht mehr bewegt.
Eine absolute Empfehlung.
Zitat:
Meine Überzeugung ist, dass Das Haus selbst alles, was es schuf, in gleichem Maße liebt und segnet. Sollte ich dasselbe versuchen? Doch ich stelle auch fest, dass es in der Natur des Menschen liegt, eines einem anderen vorzuziehen, eines als bedeutungsvoller als ein anderes zu empfinden.
(Seite 27, Kapitel „Statuen“)
ISBN 978-3-453-32198-4
Heyne 2022 (c. 2020)
270 Seiten
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen