Sonntag, 15. März 2026

„Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ von Anna McPartlin

Inhalt:

Mia „Rabbit“ Hayes ist Tochter, Mutter, Schwester, Freundin und Geliebte und liegt im Sterben. Wir erleben ihre letzten Tage in einem Hospiz in Irland. Lange Abschiede, aber auch die Erinnerung an eine längst vergangene Liebe.

 

Meinung:

Bei diesem Roman habe ich so viel geheult wie schon lange nicht mehr. Auch wenn wir bei anderen Büchern hin und wieder mal eine Tränen raus rutscht, war schon lange nicht mehr so wie ich es als Jugendliche mal erlebt hab, als ich tatsächlich bei einem Buch von Berte Bratt fürchterlich in Tränen aus brach. So war es hier auch.

Natürlich ist die ganze Zeit klar, wie die Geschichte enden wird, dennoch ist es niemals langweilig. Die Spannung bildet sich einerseits aus den Beziehungen der Familienmitglieder untereinander, andererseits aber auch aus den Erinnerungen Rabbits Liebe zu Johnny.

Das Buch ist liebevoll geschrieben und geht einfühlsam auf das schwierige Thema, Tod, ein. Mein einziger Kritikpunkt liegt vielleicht daran, dass die Personen alle wieder viel zu perfekt sind. Moralisch einwandfreie Charaktere, die sich am Ende wortlos verstehen. Niemand, der sich vor der Verantwortung des Abschieds drückt, alle handeln perfekt. Etwas unrealistisch, meiner Meinung nach.

Tatsächlich habe ich, während ich die letzten 50 Seiten gelesen hab auch immer wieder über mein eigenes Leben nachgedacht und Fehler, die ich vielleicht in der Vergangenheit begangen hab. Mittlerweile weiß ich die Zeit mit den Lieben mehr zu schätzen als noch vor 20 Jahren. In meiner jugendlichen Dummheit habe ich auch meine eigene Großmutter nicht so oft besucht, wie ich es mir im Nachhinein gewünscht hätte. Zeit kann man nicht zurückdrehen. Mir bleibt nur der Trost, dass meine Omi mir bestimmt vergeben hat.

Vielleicht hilft einem das Buch sogar sich mit seinem eigenen Tod, der hoffentlich in einer fernen Zukunft liegt, auseinanderzusetzen. Ich habe mir automatisch die Frage gestellt, ob ich glücklich bin und ob ich jetzt so aus dem Leben gehen könnte, ohne viel zu bereuen. Also kann ich insgesamt schon sagen, dass es zumindest für mich ein wichtiges Buch war.

Das klingt jetzt alles sehr theatralisch, was garantiert daran liegt, dass ich das Buch eben erst zu Ende gelesen hat. Ich werde noch eine Weile darüber nachdenken.

Aus meiner Sicht eine sehr empfehlenswerte Lektüre für Alle.


Zitat:

«Habe ich dir eigentlich jemals erzählt, dass der Tag, an dem du geboren wurdest, der schönste Tag meines Lebens war?» Eine Million Mal, Dad. «Du bist mit einem großen Knall auf dieser Welt gelandet. Das würde deine Ma zwar nie zugeben, aber sie wäre vor Angst fast gestorben. Aber ich hab dich gehalten. Es konnte gar nichts schiefgehen, weil dein Daddy dich hatte.»

Danke, Dad. Dad, ich liebe dich.

(Kapitel 16, Seite 446)

 

ISBN 978-3-499-26922-6

Rowohlt, 2015 (c.2014)

462 Seiten

Dienstag, 3. März 2026

„In die Wildnis“ (Into the Wild) von Jon Krakauer

Inhalt:

Ein Bericht über das Leben und Sterben von Chris McCandless, dessen Leiche 1992 auf einem abgelegenen Wanderpfad in Alaska gefunden wurde.

 

Meinung:

Seine Geschichte ist besonders durch die Verfilmung von Sean Penn, mit Emile Hirsch in der Hauptrolle, bekannt geworden: Into the Wild. Da dies einer meiner Lieblingsfilme ist, stand dieses Buch schon lange auf meiner Wunschliste, bis ich es vor kurzem in einen Bücherschrank gefunden hab.

Natürlich war mir klar, dass der Film auch Fiktion enthält, deswegen fand ich die echte oder wahre Geschichte besonders interessant. Natürlich alles aufgearbeitet von einem Journalisten, nämlich John Krakauer, der selbst, man kann schon sagen Nahtoderfahrungen, im Eis erlebt hat. Er gibt auch einige Einblicke in seine eigenen Erlebnisse im Eis von Alaska. Das hat mir sehr gut gefallen.

Des Weiteren strebt der Autor, mit dem Ziel ein besseres Verständnis für McCandless Handlungen zu bekommen, Vergleiche zu anderen, teils tragischen Persönlichkeiten dieser „Abenteurer-Szene“. Er stellt dabei unter anderem eine These heraus, die viele Kritiker McCandless unterstützen, dass dieser in seinem noch jugendlichen Leichtsinn seine Fähigkeiten eventuell überschätzt haben könnte. Dies versteht der Autor meiner Meinung nach aber stichhaltig zu widerlegen und untermauert seine Überzeugung, dass McCandless überaus intelligent war und sein Tod aufgrund verschiedener kleiner Fehler passierte - er hat sich offenbar ausversehen selbst vergiftet. Sicherlich wollte McCandless nicht sterben, was ihm andere unterstellten.

Es handelt sich allen in allem doch um eine äußerst tragische Geschichte. Der Film versucht noch mehr, als das Buch herauszustellen, dass der Tote sich zuletzt doch einsam gefühlt hat.

Obwohl Krakauer auch die „Interviews“ mit den Familienangehörigen verarbeitet hat, behält er sich ein Urteil vor, welches darüber entscheidet ob McCandless Schweigen gegenüber seinen Angehörigen moralisch richtig oder falsch war. Die Trauer dieser wird meiner Meinung nach gut und einfühlsam dargestellt.

Nach der Lektüre fühle ich mich überaus gut informiert und habe Einblicke in die verschiedensten Schwierigkeiten von Abenteuern, Aussteigern und extrem Sportlern erhalten.

Insgesamt fand ich diesen Bericht, oder diese Reportage, überaus interessant und empfehlenswert.


Zitat:

»NATUR/ REINHEIT«, schrieb er in fetten Druckbuchstaben über die Seite.

McCandless versah den Absatz mit Sternchen und Klammern. »Zuflucht in der Natur« kreiste er mit schwarzer Tinte ein.

An den Rand von »And so it turned out...« schrieb er die Bemerkung, »GLÜCK NUR DANN ECHT, WENN GEMEINSAM MIT ANDEREN «.

(Seite 281, Kapitel 18)

 

ISBN 978-3-492-25067-2

Piper, 2008 (c. 1996)

300 Seiten