Freitag, 27. Dezember 2024

„Die Vegetarierin“ von Han Kang

Inhalt:

Yong-Hye hat schreckliche Träume, die sie dazu bringen kein Fleisch mehr essen zu wollen. Sie stößt auf komplettes Unverständnis innerhalb ihrer Familie und verabschiedet sich geistig immer mehr von ihrer Umwelt.

 

Meinung:

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt, im ersten Abschnitt aus der Sicht des Ehemanns der Vegetarierin, unterbrochen mit kurzen Traumsequenzen/Gedankenfetzen von ihr. Der zweite Abschnitt ist aus der Sicht ihres Ehemanns der Schwester und der dritte Abschnitt aus der Sicht ihrer Schwester.

Alle drei Erzählungen stehen indirekten Zusammenhang zueinander. Die Gabe der Autorin besteht darin, die dünnen Fäden am Ende so zu verwickeln, dass man das Gefühl bekommt, was passiert ist, war unausweichlich. Am Ende dachte ich zu verstehen, dass alle drei Charaktere eine Flucht aus ihrem Leben suchen und es der Schwester am Ende auch klar wird, nur, dass sie den Vorteil hat, die Geschichte besser überblicken zu können, weil sie die anderen beiden erst beobachten konnte. Dennoch verfällt sie am Ende in ein ähnlich schwachen Geisteszustand. Sie fühlt sich machtlos, genau wie ihre Schwester und ihr Ehemann.

Das Buch ist sehr poetisch, lässt vieles unausgesprochen und regt zum nachdenken über die eigene Situation und die eigene Alltagsbewältigung an. Man fragt sich unweigerlich, ob man selbst glücklich ist und ein erfülltes Leben hat. Insgesamt wirkt es sehr melancholisch und macht einen am Ende eher traurig. Dieses Werk schafft es wenig Hoffnung in sich zu tragen. Ich stelle mir die Frage, wie realistisch diese Ansicht ist, die im Buch vermittelt wird. Es wirkt alles sehr ausweglos.

Insgesamt fand ich den Roman sehr interessant, kann mir aber vorstellen, dass er viele Leute eher herunter zieht.

Vielleicht helfen die Geschichten daran zu erinnern, was wirklich wichtig ist im Leben. Denn so wie es den drei Hauptcharakter Uhren in diesem Buch geht, möchte man wohl nicht enden.


Zitat:

Ich möchte einmal, ein einziges Mal einen großen Schrei ausstoßen können. Ich möchte in die Dunkelheit hinauslaufen, die sich jenseits der Fensterscheibe befindet. Würde das den Knoten auflösen können? Wäre das möglich?

Keiner kann mir helfen.

Keiner kann mich retten.

Keiner kann mir das freie Atmen wiedergeben.

(Seite 53, Abschnitt 1)

 

ISBN 978-3-351-03653-9

Aufbau-Verlag, 2007 (2. Auflage von 2016)

190 Seiten

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