Sonntag, 22. Dezember 2024

„Weiße Nächte“ von Fjodor M. Dostojewski

mit Illustrationen von Stella Dreis 

und einem Nachwort von Christiane Körner

Inhalt:

Ein namenloser Träumer begegnet eines Macht’s einer weinenden jungen Frau, in die er sich schnell verliebt. Sie wartet jedoch auf die Rückkehr ihrer verflossenen Liebe. Kann der Träumer ihr ein guter Freund sein?

 

Meinung:

Diese Novelle ist eine sehr emotionale Liebesgeschichte, fast schon ein Drama und das erste Werk von Dostojewski, dass ich mir vorgenommen hab.

Die Empfindsamkeit des Träumers hat mich tatsächlich sehr überrascht. Es gab Stellen wo man seine Fantasien regelrecht anfassen konnte. Schöne Beschreibungen, ohne langweilig zu werden.

Obwohl das Werk vor 178 Jahren verfasst wurde, passt das Liebesdrama auch gut auf unsere heutige, kurzlebige Zeit. Der arme Träumer durchlebt in wenigen Tagen alles Hochs und Tiefs der Liebe.

War am Ende alles nur Fantasie?

Diese Frage kommt auf, als zum Schluss klar wird, dass die Erzählung aus einer Sicht 15 Jahre später geschildert wird.

Die Dialoge der Novelle sind unterhaltsam, fast schon beschwingt. Man kann sich gut vorstellen, wer spricht und merkt den unterschiedlichen Charakter der Person. Genau wie heute wird kokettiert und nicht immer danach gehandelt, was man gesagt hat. Noch ein Punkt, warum sich diese Erzählung auch heutzutage gut lesen lässt.

Ich bin gespannt auf weitere Werke Dostojewskis.

Ich mochte Vorurteils frei an Dostojewskis Werk herangehen und distanziere mich von jeglichen rassistischen oder nationalistischen Ansichten, die er wohl vertreten hat.

Nachdem er vier Jahre Zwangsarbeit in Sibirien hinter sich gebracht hat, kam er verändert nach Sankt Petersburg zurück.

Ich möchte mich lediglich auf selben literarisches Werk beziehen.

 

Zitat

Ein Träumer – wenn wir denn eine genaue Definition brauchen – ist kein Mensch, sondern, sagen wir, eine Art Neutrum. Er siedelt meistens irgendwo in einem unzugänglichen Winkel, als scheute er sogar das Tageslicht, und wenn er sich zu Hause verkriecht, wächst er mit seinem Winkel wie eine Schnecke, oder er gleicht in dieser Hinsicht zumindest sehr dem drolligen Tier, dass gleichzeitig ein Tier und sein Haus ist, der Schildkröte.

(Seite 34, Die zweite Nacht)

 

ISBN 978-3-458-19537-5

Insel Verlag, 2024 (c.1848)

122 Seiten

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