Mittwoch, 5. März 2025

„Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt

Inhalt:

Richard ist neu am College, kann griechisch und möchte Teil der geheimnisvollen Gruppe junger Studenten werden, die alte Sprachen studieren.

 

Meinung:

Diese Gesellschaftsstudie behandelt viele unterschiedliche Themen. Was anfängt wie ein Roman rund ums erwachsen werden, endet in einem Psychothriller der besonderen Art und begründet ein neues Sub-Genre: Dark Academia.

Wir erleben denn mittellosen Studenten, der einfach nur Teil einer Gruppe werden möchte, sich dabei aber fast verliert, bevor er sich überhaupt selbst findet.

Da er der neue der Gruppe ist, lebt die Geschichte davon aus seiner Art Sicht erzählt zu werden. Sein Abstand zur Gruppe wird aber am Ende immer weniger.

Es geht um Psychologie der tiefsten Art. Das unbewusste und darum, inwieweit man Einfluss auf seine Effekte haben kann. Das lässt sich schwer in Worte fassen.

Die Autorin lässt uns mit dem erzählerischen Ich eine Entwicklung durchmachen, die verschiedene Stadien hat. Zu Beginn möchte Richard einfach irgendwo dazugehören und ist sich nicht mal sicher, ob er sich in die Gruppe überhaupt integrieren kann später erlebt er Freundschaft ist aber immer noch misstrauisch sein Kameraden gegenüber. Am Ende entwickelt sich eine rechte Paranoia, die den Ereignissen geschuldet ist.

Obwohl ich zuletzt nach circa 80 % des Romans dachte, ich weiß genau was passieren wird. War ich vom Ende doch überrascht. Schön zu sehen, dass es immer noch Romane gibt, die dies schaffen.

Es gibt nur einige wenige Stellen, die ich etwas gekürzt hätte. Die vielen Seiten rund um die Beerdigung hätte die Autorin auch deutlich knapper verfassen können, meiner Meinung nach. Hier war ich kurz versucht, das Buch aus der Hand zu legen, bin aber am Ende froh, dass ich es fertig gelesen habe.

Durch die sehr kleine Schrift handelt es sich hierbei schon um einen richtigen Wälzer. Dennoch habe ich es für meine Verhältnisse in sehr kurzer Zeit verschlungen, was für das Buch spricht.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin Bret Easton Ellis in der Widmung nicht erwähnt hätte. So muss ich leider zugeben, dass ich doch etwas vor eingenommen war. Vor kurzem hatte ich sein neuestes Buch, The Shards, gelesen und war nicht so begeistert, wie die allgemeine Kritik aktuell hergibt. Ich muss schon sagen, dass mich Tartts Stil an Ellis erinnert. Eindeutig ein gutes Buch, aber nicht unbedingt mein Geschmack. Teilweise für mich zu ausschweifend in Beschreibung von Belanglosigkeiten. Diese tragen zwar zur Atmosphäre bei, verlängern das Werk für mich jedoch unnötig. Außerdem erscheinen die Charaktere überdurchschnittlich viel zu leiden und die Gesellschaft wird durchweg negativ dargestellt.

Daher habe ich mich entschieden von der Autorin wohl im nächster Zeit kein Buch mehr zu lesen. Ich würde mich erst mal wieder Klassiker und anderen Genres.


Zitat:

„Auf nichts weiter. Nur, dass mein Leben zum überwiegenden Teil ziemlich Schal und farblos geworden ist. Tot, meine ich. Die Welt war für mich immer ein leerer Ort. Ich war außer Stande, mich an den einfachsten Dingen zu freuen. Ich fühlte mich tot bei allem, was ich tat.“ Er streifte sich die Erde von den Händen. „ Aber dann wurde es anders“, sagte er. „ in der Nacht, als ich diesen Mann umbrachte.“

Ich war entsetzt – und auch ein bisschen bestürzt – über die Gans und unverblümt Erwähnung eines Sachverhalts, der eine stillschweigende Übereinkunft, gemäß nahezu ausschließlich mit Codes, Stichwörtern und 100 verschiedenen Euphemismen bezeichnet wurde.

„ Es war die wichtigste Nacht meines Lebens“, sagte er ruhig. „ Sie hat mich befähigt, zu tun, was ich mir immer am meisten gewünscht habe.“

„Und das wäre?“

„ zu leben, ohne zu denken.“

(Kapitel 8, Seite 503/504)

 

ISBN 978-3-442-48057-9

Goldmann Verlag, TB Ausgabe von 2014 (Copyright 1992)

574 Seiten

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