Inhalt:
Über hundert Jahre im Leben der kolumbianischen Familie Buendias, die im 19. Jahrhundert schon manchen Krieg und viele Affären erleiden musste. Dennoch sind sich alle Familienmitglieder in ihrer teilweise selbst auferlegten Einsamkeit sehr ähnlich.
Meinung:
Der Roman von 1967 hat mich schwer bewegt, womit ich tatsächlich nicht gerechnet habe. Es ist eines von diesen Werken, was einen im Inneren berührt. Man kann förmlich die feuchte Luft spüren und die Kalk gegen Wände sehen, sowie das Alter und die Einsamkeit der leeren Räume hören. Das klingt nicht nur melancholisch, sondern das Buch stimmt nicht melancholisch.
Was habe ich von dem Roman erwartet? Bestimmt nicht dieses Familienepos, bei dem mich zunächst verwunderte, dass die Hälfte der Familienmitglieder den gleichen Vornamen haben. Wenn man weiter liest, merkt man aber, dass alles ein Zusammenhang hat, tief miteinander verwoben ist.
Einzig hätte ich mir gewünscht, etwas mehr geographischen und geschichtlichen Zusammenhang über dieses nordkolumbianische Gebiet zu haben, nahe der Sierra und unweit einer Küste.
Mir war außerdem lange nicht klar, zu welcher Zeit der Roman spielt. Wenn ich es recht bedenke, hätte die Geschichte aber auch genauso gut heute spielen können. Wobei einem bei einem solchen Plot doch wieder klar wird, gut man es in seinem Leben hat.
Verwunderlich, dass, obwohl die Familienmitglieder so eng miteinander leben, scheint die Familienbande doch sehr schlecht zu sein in diesem Werk. Lässt sich das auf unser heutiges Leben übertragen? Leben wir nur nebeneinander her und hören einander gar nicht recht zu? Haben wir tiefe Gefühle für einander? Ich denke schon.
Umso dramatischer wirkt der Roman und das Leben der Familie Buendias.
Ich glaub, ich werde noch einen Stammbaum der Familie im Internet suchen, um mir alles noch mal in Erinnerung zu rufen.
Dieses Buch gesellt sich meiner Meinung nach zu Recht ein in die Liste der 100 wichtigsten Bücher der Neuzeit.
Zitat:
In der Tat, sie litten an der Krankheit der Schlaflosigkeit. Ursula, die von ihrer Mutter in die Heilkraft der Pflanzen eingeführt worden war, bereitete ein Gebräu aus Eisenhutblättern, das sie allen zu trinken gab, doch sie schliefen nicht ein, hatten stattdessen den ganzen Tag über Wachträume. In diesem Zustand überspannter Hellsicht sahen sie nicht nur eigene Traumbilder, sondern auch die aus den Träumen der anderen. Es war, als habe sich das Haus mit Gästen gefüllt.
(Seite 60)
ISBN 978-3-462-05021-9
Kiepenheuer & Witch, 2017 (c.1967)
520 Seiten
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