Klappentext:
EIN WENIG LEBEN handelt von der lebens langen Freundschaft zwischen vier Man-nern, die sich am College kennengelernt haben. Willem versucht als Schauspieler Fuß zu fassen; Malcolm, ein Architekt, will aus dem Schatten seines erfolgreichen Vaters treten; JB ist Künstler und derjenige, der ihren Zusammenhalt immer wieder auf die Probe stellt. Jude St. Francis aber, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe - ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Wie in ein schwarzes Loch werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten.
Meinung:
Um in das Buch reinzukommen, musste ich mich schon sehr überwinden, weiter zu lesen. Ich gebe zu, dass mir die ersten 150 Seiten recht schwer gefallen sind. Da ich den Roman unbedingt zu Ende lesen wollte, habe ich ihm dann aber noch eine Chance gegeben. Wahrscheinlich ist mir der Anfang so schwer gefallen, weil bei der Vorstellung der wichtigsten Charaktere nicht so recht klar wird, was aus der ganzen Geschichte werden soll. Man fühlt keinerlei Gewichtung, alles fühlt sich recht gleich an und irgendwie monoton. Zumindest auf diesen ersten 100-150 Seiten, meiner Meinung nach.
Wenn man das einmal überwunden hat, trinkt man immer tiefer in die Geschichte Judes ein, die im Laufe des Romans immer schockierende wird.
An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich es mir gewünscht hätte, wenn zu Anfang eine Trigger Warnung gegeben hätte. Für Menschen, die vielleicht abgemeldet, aber ähnliche Erfahrung gemacht haben, kann dieser Roman sehr niederwerfend oder zerschmettern sein.
Entgegen all meiner Erwartungen habe ich am Ende sogar geweint, was äußerst selten passiert, beim Lesen. Und das, obwohl ich natürlich schon lange wusste, worauf die Geschichte hinausläuft.
Aber zählt dieses Werk wirklich zu den 100 wichtigsten Büchern der Neuzeit? Da bin ich mir nicht sicher. Die Handlung zeigt viele extreme auf die, obwohl sie wahrscheinlich auch im realen Leben stattfinden, doch sehr extrem sind und nicht das alltägliche Grauen von vielen Misshandlungen widerspiegelt. Mit anderen Worten, ich finde diese Geschichte nicht alltagstauglich. Natürlich werden wichtige Themen angesprochen und der Stil ist sehr stimmig und atmosphärisch, aber letztendlich muss ich für mich doch sagen, dass es nicht realistisch ist. Das geht mir hauptsächlich so, weil der Hauptcharakter so schlimme Erfahrung gemacht hat und es dennoch zum Beispiel beruflich sehr weit gebracht hat. Das passt für mich nicht überein, wobei das nur ein Beispiel ist. Ich denke, in der Realität wäre Jude schon längst allein mit seinen Problemen.
Mir ist klar, dass der Roman auch Hoffnung machen soll, das hat bei mir aber nicht funktioniert.
Ich finde schon, dass es sich hier um ein hervorragendes Buch handelt aber wird dieses Buch auch in 30 Jahren immer noch genauso wichtig sein? Da bin ich mir nicht so sicher und daher zählt es für mich nicht zu den wichtigsten Büchern aller Zeiten.
Zitat:
Warum kann er dann nicht aufhören, immer wieder auf Geschehnisse zurückzukommen, die so weit zurückliegen, sie immer wieder neu zu durchleben? Warum kann er sich nicht einfach an seiner Gegenwart erfreuen? Warum ist er seiner Vergangenheit eine solche Anerkennung schuldig? Warum wird sie immer lebendiger, je weiter er sich von ihr entfernt?
(Seite 613)
Über die Autorin:
Hanya Yanagihara, 1974 geboren, ist ein US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin. Sie ist Redakteurin beim Stilmagazin T der New York Times.
EIN WENIG LEBEN gewann den Kirkus Prize und stand auf der Shortlist des M Booker Prize, des National Book Awar und des Baileys Prize. Es ist eines der bestverkauften und meistdiskutierten literarischen Werke der vergangenen Jahre.
(Quelle: Klappen-Innentext)
ISBN 978-3-446-25471-8
Hanser Berlin, 2016 (2015)
960 Seiten
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