Montag, 17. Juni 2019

„Der Sommer der schwarzen Schafe“ von Joanna Cannon

Bild-Quelle: amazon.de

Inhalt:

Mrs. Creasy ist plötzlich spurlos verschwunden - sie hat nicht mal ihre Schuhe mitgenommen. Gracie (10) und Ihr Freundin Tilly versuchen heraus zu finden, ob jemand in ihrer Straße was weiß und ob irgendwo auch Gott zu finden ist.

Der Sommer brennt heiß und nach und nach kommen viele Geheimnisse ans Licht.

 

Meinung:

In dem Roman geht es um Vorurteile und Engstirnigkeit. Die Leute, die am besten in die Gesellschaft integriert sind, haben am Ende am meisten verbrochen.

Die unschuldigen Kinder wirken bei ihrer Suche nach Gott als starker Gegenpol zu den üblen Geschichten der Nachbarn. Das ist ganz gut gemacht. Für mich wirkt die Suche nach Gott jedoch ein bisschen konstruiert. Ich bin mir nicht sicher wie realistisch es ist, dass zwei zehnjährige Mädchen das so ernst nehmen würden...

Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind auch wiederkehrende Themen in dem Buch. Aber auch wenn der Roman zum größten Teil in den siebziger Jahren spielt, könnte man denken die Handlung soll gerade Aktualität haben. Für mich passt es aber nicht mehr zur heutigen Zeit und Denkweise. Für so engstirnig halte ich auch heute nicht die ab gelegenste Kleinstadt Straße.

Konsequenzen für die die Verbrechen könnte es am Ende geben, das bleibt aber offen. Also gibt es für mich nicht mal einen befriedigenden Abschluss. Überhaupt wieder Entwicklung schon bei der Hälfte sehr gut vorhersehbar. Für mich gab es am Ende keine Überraschung mehr. Sehr schade.

Ich fand den Stil sehr gut. Erinnert mich an einen frühen Stephen King - Kleinstädter aus ihrer eigenen Perspektive in wechselnder Erzählweise. Ich hätte noch ewig weiterlesen können, obwohl ich die Handlung wenig überraschend und interessant finde.

 

ISBN 978-3-7341-0597-5

Blanvalet, 2019

416 Seiten

Mittwoch, 29. Mai 2019

„Die Frau aus Tausendundeiner Nacht“ von Denise Zintgraff

Bild-Quelle: ebay.de

Inhalt:

Die Autorin beschreibt ihren zweijährigen Aufenthalt in einem saudi-arabischen Harem. Als Gast einer Prinzessin ist sie angestellt deren Sohn (6-7 Jahre alt) in Französisch zu unterrichten und ihm die westliche Welt näher zu bringen.

Zintgraff wird von der „Haremsfamilie“ liebevoll aufgenommen und hält sich, aus Angst vor schlimmer Bestrafung, auch gern an die Regeln der Scharia. Sie ist überrascht als sie entdeckt welch friedliches, familiäres Leben sie in diesem sehr wohlhabenden Harem führt...

 

Meinung:

Die kurze Geschichte der Autorin ist gekennzeichnet von Höhen und Tiefen. Voller Abenteuerlust bricht sie nah Riad auf. Zwischendurch erlebt sie melancholische, aber friedliche Zeiten. Am Ende befürchtet sie sich selbst zu verlieren und „flieht“ aus der Sicherheit, die der Harem ihr bietet.

All dies ist mit einer akzeptablen Sensibilität geschrieben. Da es aber gleichzeitig recht knapp geschildert ist, fühlt man sich als Leser vielleicht doch manchmal überrumpelt. Ich hätte gerne mehr erfahren. Meine Neugier ist nicht gestillt worden. Mir verbleiben leider zu viele Fragezeichen über meinem Kopf.

 

ISBN 978-3-5477-9957-6

München Schröder, 1999

290 Seiten

Mittwoch, 8. Mai 2019

„Der Bücherdrache“ von Walter Moers

Inhalt:

Wieder eine Erzählung (Kusntmärchen) aus der Sicht des fiktiven zamonischen Autors Hildegunst von Mythenmetz, rund um Ereignisse um und in den Katakomben Buchhaims.

Der „Buchling Hildegunst“ lernt den Bücherdrachen im Untergrund kennen und stellt sich hauptsächlich philosophischen Fragen an sich und seine Umgebung.

 

Meinung:

Endlich wieder ein etwas umfangreicher Zamonien-Roman, worauf ich mich sehr gefreut habe.

Leider war die Erzählung manchmal etwas langatmig und daher für mich an vielen Stellen einfach nur ermüdend. Und wieder fühlt es sich so an, als soll das Buch nur wieder als Platzhalter für weitere Geschichten dienen, was für mich etwas enttäuschend war. Ich finde, Moers sollte wieder Einzelwerke schreiben – mehrteilige Geschichten scheinen in künstlerisch eher zu überfordern (was ich gut nachvollziehen kann).

An dieser Stelle kann ich gar nicht mehr viel über den Roman sagen. Es war halt ein typisches Werk des Autors. Wieder wunderschön in der Gestaltung und Aufmachung. Die Zeichnungen des Autors sind ein Kaufgrund für mich.

Insgesamt hat mir das Buch trotz der Inhaltlichen Schwächen Spaß gemacht, aber nur weil ich die Fantasie und das Künstlerische Moers Werke so sehr mag.

 

ISBN 978-3-328-60064-0

Penguin, 2019

190 Seiten

Donnerstag, 25. April 2019

„Betty und ihre Schwestern“ (Little Women) von Louisa May Alcott

(Ungekürzte Gesamtausgabe)

Inhalt:

Meg, Jo, Betty und Amy sind Schwestern und leben in Neuengland (USA) zum Ende des amerikanischen Bürgerkriegs. Der Vater ist noch nicht wieder zurück zuhause und die Mutter wartet mit ihren Töchtern sehnsüchtig auf sein Kommen. Derweil freundet Jo sich mit dem Nachbarsjungen, Laurie, an, der mit der Zeit ein Teil der Familie wird.

 

Meinung:

Das Buch steckt voller Liebe. Anders kann ich es nicht sagen. Die Gefühle werden behutsam behandelt, so kommt mir der Schluss auch nicht zu kitschig vor. Trotzdem habe ich am Ende ein paar Tränen verdrückt.

Insgesamt finde ich die Geschichte sehr bewegend.

Wenn man sich erst mal an die etwas altertümliche Sprache der alten Übersetzung gewöhnt hat, lässt sich das Buch auch recht flüssig lesen. Dennoch gibt es viele Wörter bei denen ich mich insgeheim frage, ob die Übersetzung hier überhaupt stimmt. So unbekannte Bezeichnung habe ich selten gelesen. Da bin ich etwas argwöhnisch.

Den deutschen Titel „Betty und ihre Schwestern“ fand ich schon immer irritierend. Es geht um alle vor Mädchen. Der Schwerpunkt liegt vielleicht sogar eher bei der aufgedrehten Jo.

Alcott hat einige autobiographische Szenen verarbeitet und lässt sich wohl am ehesten in Jos Charakter wiederfinden. Darum bekommt Jo verständlicherweise auch etwas mehr „Spielzeit“...

Als Liebhaberin der japanischen Zeichentrickserie „Eine fröhliche Familie“, die auf diesem Roman basiert, hätte ich schon einige Erwartungen an das Buch. Diese Erwartungen wurden übertroffen. Die Charaktere werden liebevoll gezeichnet und ich finde die Ansichten teilweise äußerst emanzipiert für diese Zeit (geschrieben und veröffentlicht in den 1860er Jahren!).

Langweilig ist das Buch an keiner Stelle und einmal musste ich sogar mittendrin weinen.

Es gibt lustige Passagen und einige Abenteuer. Es gibt Romantik, aber auch Schattenseiten.

Ein rund herum gelungener Roman. Ich liebe es.

 

ISBN 978-3-7306-0217-1

Anaconda, 2015 (c.1869)

608 Seiten

Donnerstag, 7. März 2019

„Ruf der Wildnis“ von Jack London

Bild-Quelle: amazon.de

Inhalt:

Buck ist ein Mischlingshund, halb Bernhardiner, halb Deutscher Schäferhund und lebt ein sorgenfreies Leben auf einer Farm. Eines Tages wird er vom Gärtner an einen Hundehändler verkauft und landet im Schnee und Eis des Nordwestens von USA und Kanada. Das Goldfieber ist im Yukon-Gebiet ausgebrochen und er muss als Schlittenhund so manches erleiden.

Am Ende hört er den Ruf der Wildnis.


Meinung:

Mich hat es schon seit längerem gereizt ein Buch von Jack London zu lesen. Ich bin ein großer Fan von dem Film „Into the Wild“ und dieses Buch gehört zur Pflichtlektüre des Protagonisten.

Es geht um den Weg zur Freiheit. Nachdem alle Ketten gesprengt sind, auch noch die eigenen Fesseln zu überwinden und sich gänzlich von der Welt loszulösen.

Auch im Roman trauert Buck seiner Vergangenheit nicht nach. Sein Blick ist meistens auf das Hier und Jetzt gerichtet.

Jedoch manchmal nimmt der Hund die Verbindung zu längst vergangenen Zeiten auf und hat Visionen von der Zeit als Mensch und Hund sich aneinander gewöhnt haben.

Diese Szenen sind erstaunlich gut hineingearbeitet und wirken weder verklärt, noch esoterisch. Dafür ist die Darstellung der gesamten Geschehnisse viel zu realistisch und zu hart. Gefällt mir sehr gut.

Aus meiner Sicht handelt es sich bei diesem Werk um einen Klassiker der Literatur. Für seine Zeit hat London einen modernen Abenteuerroman geschrieben in ganz neuem Stil.

Das Buch ist kurzweilig und mitreißend. Man fühlt die Entbehrungen und Ungerechtigkeiten, die Buck in seinem Leben erfahren muss. Am Ende freue ich mich über seine Flucht aus einer Welt der Beschränkungen, Misshandlungen und Grenzen. Er ist frei und ich fühle mit ihm.

 

ISBN 978-3-4733-9171-4

Ravensburger, 1991 (c.1903)

96 Seiten

Montag, 4. März 2019

„You go me on the cookie” von Dana Newman

Inhalt:

Dana Newman berichtet von ihrem abenteuerlichen Weg zur deutschen Sprache. Wie sie über Jahre hinweg immer wieder über deutsche Ausdrücke gegrübelt hat und welchen Fällen und Fettnäpfchen sie erlegen ist.

 

Meinung:

Das kleine Büchlein ist sehr unterhaltsam geschrieben, so dass ich es in kurzer Zeit gelesen habe. Erst am Ende ist mir aufgefallen, dass sie das Buch erst in Englisch geschrieben hat und es übersetzen lies. Schade. Ich würde ihr zutrauen, dass sie auch auf Deutsch schreiben könnte. Sie ist ja mittlerweile eine richtige Deutsch-Expertin...

Ich mag ihre liebevolle und positive Art. Deswegen war ich mir auch direkt sicher, dass ich das Buch kaufen muss wenn es erscheint. Und ich würde nicht enttäuscht.

Das Buch hilft mir auch mein Englisch zu verbessern, weil manche Redewendungen und Ausdrücke so eingehend beschrieben sind, dass mir ihr Unterschied jetzt auch verinnerlicht wurde. Zumindest habe ich das Gefühl. Ob ich es anwenden könnte sei dahingestellt. (Über das „sei“ hat sie sich auch ausgelassen...)

Am schönsten finde ich immer die Stellen wo sie von Situationen mit ihrem Ehemann, Stefan, schreibt. Die Beiden sind so ein süßes Paar.

Ich schaue mir Danas Blog immer sehr gerne an und bin danach immer ein kleines bisschen erheitert. Oder sogar glücklicher?

Das Buch hat mich öfters zum Schmunzeln gebracht, oder sogar auch mal zum Lachen.

Vielleicht würde es mir nicht so gut gefallen, wenn ich die Autorin nicht schon seit Jahren auf YouTube verfolge, aber ich bin von dem Buch begeistert.

 

Zitat:

Englisch: Million

Deutsch: Million

Yay, passt!

 

Englisch: Billion

Deutsch: Billion

Uaaahhh!

Die deutsche Billion ist nämlich nicht dieselbe wie die amerikanische. Eine deutsche Billion ist eine amerikanische trillion, und eine amerikanische billion wiederum ist im Deutschen eine Milliarde. Wer braucht Feinde, wenn man solche falschen Freunde hat?

(Seite 52)

 

ISBN 978-3-442-17775-2

Goldmann, 2019

210 Seiten

Sonntag, 3. März 2019

„Pavel Pock und die Wunderschreibmaschine“ von Hermann Multhaupt

Bild-Quelle: booklooker.de

Inhalt:

Pavel muss mit seiner Frau die geliebte Heimatstadt Pockkretzliberg verlassen, weil er als Dichter und Geschichtenschreiber nicht mehr genug verdienen kann. Eine Fee hilft ihm und schenkt ihm eine Wunderschreibmaschine...

 

Meinung:

Die Erzählung ist von einem traurigen Unterton getragen und wirkt dadurch sehr einfühlsam.

Es handelt sich um ein Bild gegen die schnelllebige Welt in der wir alle Leben. Das Streben nach Reichtum und Ruhm wird kritisiert und Glück als gesamtes Bild hinterfragt.

Die Geschichte ist kurz und prägnant. Sie regt zum Nachdenken an, was mir sehr gefällt.

Ich muss nur leider kritisieren, dass durch die kleine Erzählung alles moderne und Wünsche nach Wohlstand etwas verteufelte werden. Hier gibt es keinen Mittelweg und alles fühlt sich für mich nach Schwarz oder Weiß an. Das mag ich eigentlich nicht so. Aber weil ich mir natürlich darüber bewusst bin, dass es extra so zugespitzt dargestellt wird, um eine gewisse Verständlichkeit zu garantieren, kann ich das gut für mich ertragen.

Das Buch liest sich wie ein Märchen der Neuzeit und ist aus meiner Sicht auch gut geschrieben. Davon könnte ich auch gerne mehr lesen.

 

Paderborn, Bonifatiuswerk der Kinder ca. 1985

32 Seiten

Freitag, 1. März 2019

„Mörder ohne Gesicht“ von Henning Mankell

Inhalt:

Kommissar Wallander ermittelt in einem Doppelmord. Ein altes Ehepaar wird in einer kalten Januarnacht bestialisch ermordet. Die Frau konnte vor ihrem Tod noch den Hinweis auf Ausländer geben. Als die Presse davon erfährt geht eine ganz andere Jagd los und schließlich wird auch Wallander bedroht.

 

Meinung:

Der Roman stellt sich gleichzeitig als Charakterstudie zu der Person des Kommissar Wallander heraus.

Kurt Wallander wurde vor kurzem von seiner Frau verlassen. Er ist traurig und muss aufpassen nicht zum Alkoholiker zu werden.

Der Leser begleitet ihn auch durch seinen kompletten Alltag. Doch neben seinem Beruf bleibt ihm kaum Freizeit und man kann seine Ermattung nachfühlen.

Das Buch glänzt dadurch, dass Wallander alles andere als perfekt dargestellt wird. Er hat Macken und Kanten und trifft auch immer wieder schlechte Entscheidungen. Das gefällt mir sehr gut.

Die Kriminalgeschichte finde ich weniger interessant. Klar möchte man wissen wer der Mörder ist, aber wirkliche Spannung kommt nur an wenigen Stellen auf.

Umso erstaunter bin ich, dass es sich um einen Thriller handeln soll. Wallander erlebt zwar ein oder zwei gefährliche Situationen, in diese hat er sich aber selbst hinein manövriert. Er wird weder von den Bösewichten verfolgt, noch wird er psychisch fertig gemacht (zumindest nicht wirklich, bzw. er ist selbst nicht ängstlich deswegen).

Daher kann ich das Buch nicht als Thriller einstufen, sondern „nur“ als Krimi. Was nicht heißt, dass ich das schlechter finde.

Ich wollte unbedingt mal ein Buch von Mankell lesen, da er ja ein viel gefeierter Autor der Neuzeit ist. Insgesamt muss ich aber sagen, dass meine Erwartungen nicht ganz erfüllt wurden. Habe mir irgendwie doch mehr von dem Buch versprochen. Vor allem hat es mir an Spannung gefehlt. Das ist aber auch sehr schwierig umzusetzen, bei einem Roman der gerade mal etwas mehr als 330 Seiten dick ist...

 

ISBN 978-3-423-20232-9

dtv, 1999

334 Seiten

Montag, 11. Februar 2019

„Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard“ von Neil Gaiman


Inhalt:

Odd flieht vor seinem verhassten Wikinger Stiefvater, nachdem er sich beim Baumfällen das Bein zertrümmert hat. Nachdem er durch die Kälte gewandert ist und in der alten Jagdhütte seines toten Vaters angekommen ist, trifft er bald auf einen Fuchs, einen Adler und einen Bär. Es handelt sich um die verwandelten Götter Loki, Odin und Thor. Er hilft den Dreien und begibt sich auf eine Reise die sein Leben verändert...

 

Meinung:

Es handelt sich um eine wirklich nette kleine Geschichte rund um die nordischen Götter und ihre Heimat Asgard.

Ein kurzes Märchen über Mut und Selbstfindung.

Das Buch ist schnell gelesen und der Stil überaus klar und gleichzeitig fantasievoll. Es macht Spaß die Geschichte von Odd mitzuverfolgen.

Typisch für Märchen wird der Hauptcharakter nicht tiefgehend beschrieben. Das ist aus meiner Sicht auch nicht nötig hier, da das Buch kurzweilig ist und von der gerafften Erzählung lebt.

Ich denke, ich werde es meinen Jungs mal abends vorlesen wenn sie ein bisschen älter sind. Ist wohl am besten für Kinder geeignet und Träumer wie mich.

Wird erst mal aufgehoben. Hat Spaß gemacht.

 

Zitat:

Darauf erfüllte Stille die kleine Hütte. Nur im Feuer knackte und zischte ein verbrennender Tannenzweig.

»Tja«, sagte Odd, »ob ihr jetzt Götter seid oder nicht, ich kann euch nicht weiter durchfüttern, wenn der Winter noch länger anhält. Ich schätze, ich kann nicht mal mich selber durchfüttern.«

»Wir werden nicht sterben«, sagte der Bär

(Seite 44)

 

ISBN 978-3-401-50692-0

Arena, 2015 (c.2008)

116 Seiten

Freitag, 8. Februar 2019

„Tarzan und der Verrückte“ von Edgar Rice Burroughs


Dieser Roman wird 1964 veröffentlicht und erscheint im deutschsprachigen Raum als vorletzter Band der Tarzan Reihe. In meinem Sammelband kommt dieses Buch nach dem letzten Buch (Tarzan und die Schiffbrüchigen), was mich eher irritiert.

 

Inhalt:

Tarzan verfolgt einen Mann der sich als Tarzan aushiebt und in dessen Namen viel Unheil angerichtet hat unter Tarzans Freunden und Verbündeten.

 

Meinung:

In diesem Roman tritt Tarzan verhältnismäßig selten in den Mittelpunkt der Handlung. Er wirkt auf mich eher wie ein allgegenwärtiger Nebencharakter.

Die meiste Zeit über geht es um Sandra, die vom falschen Tarzan verschleppt wird in das versteckte Königreich Alentejo.

Sie wird immer wieder von jemandem geraubt oder eingesperrt. Das vermittelt das Bild einer zwar intelligenten aber hilflosen jungen Frau. Untermauert wird es davon, dass sie sich zuletzt in ihren Entführer verliebt, was für mich nicht zur Handlung passt, ist sie doch zum Beispiel so erschrocken von seinen grausamen Taten, die sie teilweise selbst miterlebt...

In diesem Roman werden die Eingeborenen Stämme und deren brauche stärker beleuchtet. Das finde ich zwar interessant, aber ich weiß nicht in wie weit es der Realität entsprochen hat.

In dem Nachwort von Georg Seeßlen wird mehrfach betont, dass Burroughs niemals den afrikanischen Kontinent besucht hat. Außerdem wissen wir ja, dass sich die Tarzan Abenteuer auch teilweise als Science Fiction einstufen lassen.

Dieses Wissen verdirbt den Lesespaß aber keineswegs. Die Figur des Tarzan bleibt für mich mysteriös und interessant.

Seeßlen bezeichnet die Geschichte für mich treffend als „Mythos“. Auf dem Buchrücken meines Sammelbandes heißt es „Legende“. Ich finde beides richtig.

Schade, dass Seeßlen im letzten Kapitel die Freude an seinem Nachwort und den Spaß an Tarzan in der Popkultur etwas verdirbt, wenn er davon schreibt, dass das „Kindergeburtstagsmusical, diese beliebige Mittelstandsmoral [...]“ kritisiert.

Ich bin begeistert von den Tarzan Büchern. Ich muss jetzt zwar kein anderes davon mehr lesen (die drei Gelesenen genügen mir), aber der Mythos bleibt mir bestimmt immer in Erinnerung.

Ein sehr unterhaltsames Abenteuer das ich als Klassiker empfinde.

 

ISBN 978-3-453-41045-9

Heyne, 2012 (c.1964)

202 Seiten