Inhalt:
Irma ist Besitzerin und Küchenchefin eines kleines vegetarischen Restaurants (ehemals „Zum Hirschen“, jetzt „Aubergine“), dass sich steigender Beliebtheit erfreut. Sie ist eine herzliche Chefin, die ihr kleines Team mit viel Liebe anführt. Aber was treiben Josch, der Kellner, Vinzent, der Senioren-Hilfsarbeiter, Lucy, die 16jährige Kellnerin und Kerstin, die ehemalige Klassenkameradin und jetzige Küchenkraft, so untereinander?
Meinung:
Es handelt sich hierbei um einen sehr stimmungsvollen, fast schon beschwingten kleinen Roman. Die Handlung rund um die kleine Restaurant-Crew ist sehr unterhaltsam. Das wird durch den Sichtwechsel der Charaktere in den Einzelnen Kapiteln noch unterstützt: worüber der Eine gerade grübelt, hat der Andere gerade verbockt. Hier schafft Ingrid Noll wieder eine interessante Stimmung. Man kommt sich als Leser fast so vor, als sitzt man selbst in der Aubergine und beobachtet das „Treiben“ der Angestellten. Gut gemacht, angenehmer Stil. Aber das bin ich von ihren Büchern ja bereits gewöhnt.
Wieder ein sehr lesenswerter Roman von Ingrid Noll und absolut zu empfehlen für zwischendurch.
Die Autorin hat den Roman im stattlichen Alter von 89 Jahren veröffentlicht, was ich überaus bemerkend finde.
Überhaupt haben mir ihre Gesellschaftsromane immer deutlich besser gefallen, als ihr Krimis.
Aus meiner Sicht ist sie zu Recht eine der erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen.
Zitat:
Als ich damals das Gasthaus Zum Hirschen über und sofort umtaufte, wollte ich auch das riesige Geweih über dem Eingang entfernen lassen, aber es hing nicht bloß locker an einem Haken, sondern leistete wehrhaften Widerstand. Josch hatte die gute Idee, das antike Denkmal fleischbetonter Küche ein wenig zu verfremden und lächerlich zu machen, nämlich durch eine originelle Dekoration. Zur Eröffnung bilden Auberginen an den Spitzen des Geweihs, zu Ostern waren es dann bunte Eier, an Weihnachten natürlich viel Lametta.
(Kapitel 28, Irmas Hirsch, S. 203)
ISBN 9-783-2576-1473-2
Diogenes, 2024
304 Seiten
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